Berlin (dpa) - Was macht ein früherer US-Präsident, nachdem er das Weiße Haus verlassen hat? Einen spektakulären Urlaub nach dem anderen. Und sein Vizepräsident? Der sitzt zu Hause in der Provinz und langweilt sich zu Tode.

So ist es jedenfalls, wenn es sich um Barack Obama und Joe Biden handelt und Andrew Shaffer in seinem Roman "Hope Never Dies" Recht hat.

"An dem Abend, als alles begann, war meine Laune so finster wie irisches Guinness", erzählt Biden gleich zu Beginn des Romans in der für ihn typischen blumigen Sprechweise. Gerade hat er ein Video gesehen, das seinen Freund Barack Obama beim Gleitschirmfliegen zeigt. Dem früheren Präsidenten geht es glänzend, und sein alter Freund Joe fehlt ihm offenbar nicht im Geringsten.

Da steht Obama auf einmal in Bidens Garten und hat beunruhigende Informationen dabei. Der Schaffner des Vorortzuges, mit dem Biden jahrelang nach Washington pendelte, ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. In seiner Jackentasche wurde Heroin gefunden, und in seinem Spind eine Karte, in der Bidens Privatadresse eingezeichnet ist.

Obama verschwindet genauso plötzlich, wie er gekommen ist, und überlässt es seinem Freund, die Schlüsse aus den Informationen zu ziehen. So stolpert Biden in ziemlich abenteuerliche Ermittlungen hinein. Er findet eine weitere Leiche, legt sich mit einer verdächtigen Frau an und versucht, all das vor seiner Frau zu verbergen. Und er stolpert auch wortwörtlich, bis er sein Knie kaum noch bewegen kann. Das geht so weit, bis er erkennt: "Ich bin nur ein Rentner, der zu viel "Law and Order" geguckt hat."

Für die Highlights im Roman sorgt Barack Obama. Der taucht immer mal wieder auf, total entspannt, mit strahlendem Lächeln und riesigem SUV. Wenn er da ist, dann wird Bidens Leben gleich besser und erfolgreicher. Obama rettet Biden sogar zweimal das Leben, einmal in einer Auseinandersetzung mit einer Rockerbande, und dann, als sich der frühere Vizepräsident einem Kampf auf Leben und Tod in seinem geliebten Vorortzug stellen muss.

"Hope Never Dies" ist eine amüsante Geschichte für Fans von Barack Obama. Auch wenn es einige spannende Momente gibt, so ist der Roman kein Krimi. Aber als Komödie ist die Geschichte nicht durchgehend lustig genug. Die besten Momente hat der Roman, wenn Obama und Biden sich halb im Ernst und halb im Spaß über ihre gemeinsame Regierungszeit und den aktuellen Zustand des Landes unterhalten. Auch wenn sich Andrew Shaffer für diese Szenen einige nette Gags über alternde Politiker und einige unterhaltsame Zitate ausgedacht hat, ist das für einen ganzen Roman dann doch recht dünn.

- Andrew Shaffer: Hope Never Dies. Droemer Verlag, München, 315 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-426-30746-5.

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