Berlin (dpa) - Von Elly Heuss-Knapp bis Elke Büdenbender interpretierten die First Ladies ihre Rolle recht unterschiedlich, mal zurückhaltend, mal politisch engagiert, viele setzten karitative und soziale Akzente.

Für ihre Aufgabe wurden sie nicht ausgebildet und kaum vorbereitet, bezahlt wurden sie erst recht nicht dafür. Und doch wurde es für die meisten zu einem Fulltime-Job, für den sie die eigene Berufstätigkeit unterbrachen oder aufgaben. 20 First Ladies und einen "First Husband" hat Deutschland nach dem Krieg erlebt - wenn man wie die Autorin Heike Specht nicht nur die Frauen oder Partnerinnen der Bundespräsidenten, sondern auch der Kanzler und der DDR-Staatschefs Ulbricht und Honecker mit einbezieht.

Deren Biografien stellt Heike Specht nicht in Einzelporträts vor, vielmehr erzählt sie die Geschichte Deutschlands seit 1949 anhand des Lebens dieser Frauen. Das funktioniert sehr gut, erlebten die First Ladies doch die Schlüsselmomente deutscher Geschichte hautnah mit. Manche wie die 2010 gestorbene Loki Schmidt, Hannelore Kohl, die elegante Rut Brandt oder die gefürchtete Margot Honecker sind in der Erinnerung noch sehr präsent, andere First Ladies kennen die meisten höchstens noch aus Geschichtsbüchern. Gerade hier ist die Lektüre aber sehr lohnend.

Denn es ist doch erstaunlich, dass in der als etwas trutschig verschrienen bundesrepublikanischen Nachkriegszeit so taffe und moderne Frauen das Land repräsentierten wie Elly Heuss-Knapp und Wilhelmine Lübke. Beide Präsidentengattinnen waren ihren Ehemännern mindestens ebenbürtig. Die politisch engagierte Elly Heuss-Knapp war während ihrer langen Ehe mit Theodor Heuss als Lehrerin und Redakteurin berufstätig. Das Paar sah sich als Einheit. "Jetzt ist es schon einige Wochen her, dass wir das neue Amt angetreten haben", schrieb sie selbstbewusst, während ihr Mann scherzhaft von "Ellychens Machtergreifung" sprach.

Die Studienrätin Wilhelmine Lübke war polyglott und weltgewandt. Auf fast 40 Staatsbesuchen wurde die vitale, ältere Dame zur Botschafterin ihres Landes. Ohne sie hätte ihr zuletzt mental schwer angeschlagener Mann sein Amt gar nicht ausführen können. Während die Ärztinnen Mildred Scheel und Veronica Carstens auch als First Ladies ihr medizinisches Interesse in den Vordergrund ihrer Arbeit stellten (Carstens praktizierte sogar weiter), trat Hilda Heinemann als sozialdemokratische Kanzlergattin dezidiert meinungsstark und politisch auf. Sie engagierte sich für Drogenabhängige. Als sie einmal vor einem Plakat mit der Aufschrift "Zerschlagt den Staat mit dem Joint in der Hand" abgebildet wurde, folgte prompt ein Sturm der Entrüstung. Bei Amnesty International musste sie aus staatspolitischen Gründen auf den Ehrenvorsitz verzichten.

Nach ihr war sicherlich Doris Schröder-Köpf die politischste First Lady Deutschlands. Kein Wunder, war sie vorher doch lange Zeit Politik-Korrespondentin gewesen und kannte den Machtbetrieb aus dem Effeff. Die Autorin bezeichnet sie als die "einflussreichste und professionellste Kanzlergattin in der Geschichte der Bundesrepublik". Schröder-Köpf richtete sich auch als erste ein Büro im Kanzleramt ein, um die Flut von Anfragen zu bearbeiten, aber nicht nur das: "Sie machte Politik." Sie selbst bezeichnete sich stolz als Teil des rot-grünen Projekts.

Bettina Wulff wiederum steht für eine andere moderne Entwicklung: den medialen Overkill, der im neuen Jahrtausend auch vor dem Bundespräsidentenamt nicht mehr Halt machte. Nicht allein setzte die Presse ehrverletzende Gerüchte über sie in die Welt, wie sie es sich früher gegenüber der Frau des Bundespräsidenten niemals erlaubt hätte. Bettina Wulff brach auch selbst mit den bis dahin üblichen Codes der Diskretion und Zurückhaltung, indem sie in ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" aus dem Nähkästchen plauderte, eine peinliche Grenzüberschreitung, die sie selbst später bereute.

Je näher das Ladies-Buch an die Gegenwart rückt, umso zugeknöpfter und unschärfer wird es, vermutlich weil die Autorin hier weniger auf Memoiren oder Gesprächsprotokolle zurückgreifen konnte. Der Höhepunkt der Verschwiegenheit ist dann mit den dürftigen Informationen über den "First Husband" Joachim Sauer erreicht. Er spielt "im öffentlichen Leben der Kanzlerin eine derart unterbelichtete Rolle, dass man seine Existenz zuweilen glatt vergessen könnte", heißt es fast entschuldigend von der Autorin. Vielleicht wird seine Geschichte ja später einmal geschrieben.

- Heike Specht: Ihre Seite der Geschichte. Deutschland und seine First Ladies von 1949 bis heute, Piper, München, 400 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-492-05819-3.

Ihre Seite der Geschichte. Deutschland und seine First Ladies von 1949 bis heute