Berlin (dpa) - Der Literaturkritiker Wilfried F. Schoeller, Mitbegründer der ARD-Kultursendung "Titel, Thesen, Temperamente" ("ttt"), ist tot. Schoeller, der auch die Sendung "Bücher, Bücher" beim Hessischen Rundfunk ins Leben rief, starb am Montag nach langer Krankheit mit 78 Jahren in Berlin, wie seine Familie am Dienstag mitteilte.

Der promovierte Germanist und Historiker war ab 1972 Literaturredakteur beim Hessischen Rundfunk und setzte sich dort vor allem für die Vermittlung ostdeutscher Autoren wie Uwe Johnson, Franz Fühmann, Wolfgang Hilbig, Volker Braun oder Christa Wolf an das westdeutsche Publikum ein.

Der 1941 in Illertissen (Bayern) geborene Schoeller erhielt 1990 den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Von 2002 bis 2009 war er Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland. Von 1995 an moderierte er beim Erlanger Poetenfest.

Zu Schoellers wichtigsten Werken gehören Arbeiten über Heinrich Mann, Theodor W. Adorno und Michail Bulgakow sowie die Biografien von Alfred Döblin und Franz Marc. Er war Herausgeber des Gesamtwerkes von Oskar Maria Graf, dessen Nachlass er auch verwaltete, und Mitherausgeber der Tagebücher von Klaus Mann. Auch schrieb er zahlreiche Hörspiele und Fernseh-Drehbücher, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Zuletzt war er Kurator von Ausstellungen der Autoren Hubert Fichte und Warlam Schalamow.

Schoeller, Vater des Fotografen Martin Schoeller und der Regisseurin Bettina Schoeller-Bouju, war in zweiter Ehe mit der Übersetzerin und Lektorin für russische und osteuropäische Literatur Christina Links verheiratet.