Reinbek (dpa) - Um Lug und Trug und falsches Heldentum geht es in Andrea Camilleris "Die Inschrift". Die Geschichte spielt in einem sizilianischen Städtchen im Zweiten Weltkrieg.

Der Regimegegner Michele Ragusano wird aus dem Gefängnis entlassen. Kaum zurück, gerät er mit dem alten Persico, einem glühenden Faschisten, heftig aneinander. Dieser erliegt daraufhin einem Schlaganfall. Persico wird als Märtyrer des Faschismus begraben. Eine Straße soll nach ihm benannt werden, seine junge Witwe wird eine Staatspension erhalten. Doch dann bringt ein eifersüchtiger Verehrer plötzlich üble Details aus Persicos Vergangenheit ans Licht.

Die Stimmung im Ort ist aufgewühlt. Mit Witz und Augenzwinkern erzählt Camilleri von menschlichen Schwächen, Eitelkeiten und opportunistischen Gefälligkeiten unter einem diktatorischen Regime. Heroischer Anspruch und banale Wirklichkeit klaffen meilenweit auseinander. "Die Inschrift" ist eine amüsante Erzählung, sie mit kaum 80 Seiten als Roman zu verkaufen ist allerdings ganz schön gewagt.