Meßkirch (dpa) - Es sind die letzten Stunden vor dem deutschen Angriff auf Polen 1939. Die junge Tänzerin Marion, die auch als Agentin der deutschen Abwehr arbeitet, entdeckt ein brisantes Dokument.

Es handelt sich um das Protokoll einer Lagebesprechung, in der Hitler seine mörderischen Kriegsziele in Osteuropa darlegt. Kurz darauf wird Marions Führungsoffizier in der Abwehr ermordet, dem sie das Dokument übergeben sollte. Stattdessen interessiert sich auf einmal die Gestapo sehr für Marion und ihren Fund. Bernward Schneider beschreibt in "Vor dem großen Sterben" auf exzellente Weise die Situation in Deutschland am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Keine Euphorie wie 1914, vielmehr Bedrücktheit und Furcht. Die allgegenwärtige Bespitzelung der Geheimdienste und Polizei tut ein Übriges.

Klugerweise vermeidet der Autor eine klare Trennung von Gut und Böse. Alles verbleibt im Halbdunkeln und vage. Für den Leser ergibt sich so ein spannendes Bild. Am Ende weiß er genau wie Marion nicht mehr, wo die Wahrheit endet und die Lüge beginnt.

- Bernward Schneider: Vor dem großen Sterben, Gmeiner Verlag, Meßkirch, 384 Seiten, 14,00 Euro, ISBN 978-3-8392-2524-0.

Vor dem großen Sterben