Berlin (dpa) - Hans Christoph Buchs erster Auftritt auf der literarischen Bühne im Jahr 1963 war turbulent: Der Kritiker Marcel Reich-Ranicki raufte sich sein damals noch dichtes Haar vor Entsetzen über den Text, den der 19-Jährige vor der Gruppe 47 vortrug, während Günter Grass und Hans Magnus Enzensberger seine Kurzgeschichte lobten.

Mit dem grimmigen "Literaturpapst" freundete Buch sich später aber an und besuchte ihn noch kurz vor dessen Tod 2013. Nachlesen kann man dies und andere Anekdoten aus der Literatenszene in Buchs Erinnerungsband "Tunnel über der Spree", der jetzt zum 75. Geburtstag des Berliner Autors im April erschienen ist.

Der Titel geht auf den Namen eines Berliner Literaturkreises um Theodor Fontane zurück. In amüsanten Porträts stellt Buch seine literarischen Wegbereiter und Wegbegleiter vor. Er blickt zurück in die Mauerzeiten, als sich west- und ostdeutsche Schriftsteller in Ostberliner Wohnungen trafen.

Er macht sich kluge Gedanken über die Rolle von Kunst und Literatur in der Gesellschaft und präsentiert "Sechs Thesen zum Romanschreiben". Und wie in anderen seiner Bücher geht es um die "multiple Identität" des weitgereisten Autors, der eine haitianische Großmutter hatte und den Haiti seit seinem ersten Besuch 1968 nicht mehr loslässt.

- Hans Christoph Buch: Tunnel über der Spree - Traumpfade der Literatur, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt, 252 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3-627-00262-6.

Der Platz

Tunnel über der Spree

Die Toten von Rialto