München (dpa) - Vera Buck ist erst 28, doch ihr Thema ist alt: die Geschichte der Psychiatrie, speziell der Psychochirurgie. Mit dem Mädchen Runa schuf die Journalistin und Stipendiatin der Akademie Writing Science in Fiction ein Experimentiermodell der Wissenschaft, ein Opfer der Suche nach Erkenntnis.

Handlungsort ist die Pariser Nervenheilanstalt Salpêtrière Ende des 19. Jahrhunderts. Hier geben sich berühmte Ärzte die Klinke in die Hand: neben Sigmund Freud unter anderen auch Jean-Martin Charot und Gilles de la Tourette. Der junge Student Jori soll am Gehirn der hysterischen Runa operieren - der Ausgang ist ungewiss. Jori wird bewusst, dass dieser und andere zweifelhafte Menschenversuche eher den Eigeninteressen der Mediziner dienen als dem wirklichen Fortschritt.

Die Salpêtrière - 1656 von Ludwig XIV. gegründet und lange Zeit als Versailles der Schmerzen oder Weiber-Bastille genannt - war ein Kranken-, Irren- und Zuchthaus für rund 8000 Patienten, von denen die meisten wegen Hysterie behandelt wurden. Vera Buck hat aus authentischen Rahmenbedingungen einen Roman konstruiert, der so fesselnd wie lehrreich ist.

- Vera Buck: Runa. Limes Verlag München, 608 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-8090-2652-5.