Berlin (dpa) - Sir Simon Rattle geht immer, besonders wenn mit den Berliner Philharmonikern wieder ein Programm der Spitzenklasse geboten wird. Zwei Auftritte mit dem Orchesterchef, in der sommerlichen Berliner Waldbühne und beim Silvesterkonzert 2014, bieten auf DVD höchsten Musikgenuss.

Der Abend vor der grandiosen ausverkauften Kulisse des Amphitheaters ist ganz dem großen Kino gewidmet und schwelgt musikalisch in cineastischen Bildern. Die humorigen Ansagen des 2018 als Berliner Chefdirigenten scheidenden Sir Simon begleiten die überaus unterhaltsame und kurzweilige Vorführung.

Begonnen wird mit dem bekanntesten Werk des neunmaligen Oscar-Preisträgers Alfred Newman, der über 250 Filme mit Musik versehen hat, der 20th Century Fox Fanfare. Große Leinwandmusik von 1962 von Bronislaw Kaper zu Meuterei auf der Bounty geschaffen folgt sodann. Weniger bekannt ist, dass von dem gebürtigen Polen, der als Jude 1933 vor den Nazis fliehen musste, auch der 30er-Jahre-Schlager Ninon aus dem Tonfilm Ein Lied für dich stammt.

Die Musik zu Laura ist von David Raksin, einem Komponisten der viele seiner Aufträge Newman zu verdanke hatte. Über der Open-Air-Bühne setzt nun passenderweise die Dämmerung ein. Es wird kuschlig; das mag man in Berlin. Gegeben wird der oscarprämierte Filmscore zu Weites Land von Jerome Moross.

Überraschend unterhaltsam ist dann ein Werk von Scott Bradley, der besonders durch seine Stücke für MGM-Cartoons bekannt wurde und stolz auf seine lustige Musik war. Bei der Jagd von Tom auf Jerry kommt ein Teller zerschlagendes Trio zum Einsatz, das noch andere ungewöhnliche Instrumente nutzt: einen Hammer, ein Ei, einen Eimer Wasser, eine Saugpumpe und Luftpolsterfolie.

Auch ein weiterer jüdischer Emigrant schuf große Klänge. Erich Wolfgang Korngold erntete dafür zwei Oscars, einen für den bereits in der Dunkelheit der Waldbühne gespielten Sound zu Robin Hood, König der Vagabunden. Monumental ertönen dann die Auszüge aus der Ben Hur-Suite von Miklos Rósza, einem Pionier der Einspielung von Filmmusiken.

Ein unbedingtes Muss bei solchen Aufführungen sind stets auch Stücke aus dem Œuvre von John Williams. Der Soundtrack zu Indiana Jones, bei dem die Bläsergruppe überraschend mit Hüten des Jägers der verlorenen Schätze auftritt, und auch die bekannte Star Wars-Melodie sind die Höhepunkte des Konzertabends in der Freilichtbühne. Abgeschlossen wird dann traditionell mit Paul Linckes Berliner Luft. Bei dem promenadigen Marsch ist Mitklatschen und an den richtigen Stellen pfeifen obligatorisch.

Eine weitere DVD mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern ist ein kleines Sahnestück. Beim alljährlichen Silvesterkonzert gab sich 2014 der Pianist Menahem Pressler die Ehre, der gerade erst im Januar des Jahres sein Debüt mit den Philharmonikern gegeben hatte - mit über 90 Jahren! Davor hatte der Gründer des bedeutenden Beaux Arts Trio über 50 Jahre Kammermusik gemacht.

Das Silvester-Programm empfand der 1923 geborene Künstler als Geschenk: Gegeben wurde unter anderem Mozarts Klavierkonzert A-Dur, Köchelverzeichnis 488. Das ist einer der schönsten Sätze, die es überhaupt gibt, sagte der 2015 mit einem ECHO für sein Lebenswerk Gewürdigte. Musik hat Pressler, der von den Nazis verfolgt in letzter Minute fliehen konnte, über vieles hinweggeholfen. Die ebenfalls auf der DVD befindliche Dokumentation The Live I Love portraitiert diesen formidablen Menschen.

Berliner Philharmoniker

Menahem Pressler

Warner Classics