Magdeburg l Lange saßen die Vertreter der Restaurants und Kneipen der Stadt am 19. März 2020 zusammen und tüftelten über die richtige Wortwahl eines Briefes an die Landesregierung Sachsen-Anhalt. Das Schreiben sollte klar und unmissverständlich auf die Lage in der Gastronomie aufmerksam machen und die richtige Mischung aus Information und Ton treffen. Herausgekommen ist am Ende ein dreiseitiger Brandbrief, der in jeder Zeile die Dramatik der Lage der Gastronomen beschreibt. „Während die Tage verstreichen, sind wir dabei unterzugehen“, lautet es gleich im ersten Satz, um dann nachzuschieben: „Wir haben keine Mittel mehr, um unsere Existenzen aufrechtzuerhalten. Wir bekommen noch keine Soforthilfen, daraus folgt, dass der überwiegende Teil von uns bereits am Monatsende weg vom Fenster sein wird.“

Lösung muss her

Der Politik attestieren die Gastronomen durchaus Wille und schrieben: „Wir wissen, dass Sie in der aktuellen Situation Ihr Bestes tun, wir wissen auch, dass Sie unter großem Druck stehen. Es wurden ja auch schon einige Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dennoch: Diese Maßnahmen helfen etwas, sie werden uns aber nicht dauerhaft retten.“ Alle bisher gefassten Beschlüsse, wie beispielsweise die Bereitstellung von Überbrückungskrediten, sorgten nur für einen Aufschub der Probleme – nicht für deren Lösung, heißt es weiter.

Dialog mit der Regierung

Im Namen der Gastronomen forderte Matthias Nawroth vom „Ratskeller“ die Landesregierung zum Dialog auf. Die Gastronomen bieten auch an und fragen: „Sind wir systemrelevant für die Landeshauptstadt Magdeburg? Sollen wir den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, um eine Grundversorgung sicherzustellen? Wir sind bereit! Sollen wir einen Lieferdienst für Risikogruppen hochziehen, oder Polizei und medizinische Kräfte versorgen - wir können das und sind bereit! Sollen wir einfache To-go-Mahlzeiten für die Menschen in unseren Vierteln zur Verfügung stellen, wir sind bereit!

Sollte dies nicht der Fall sein, schaffen Sie bitte rechtliche Klarheit und ordnen lieber die komplette Schließung aller gastronomischen und Hotel-Betriebe an, falls wir nicht mehr Teil des Wirtschaftslebens in dieser Stadt sein sollen!“

Rechnung geht nicht auf

Matthias Nawroth vom „Ratskeller“ betonte, dass es in der Gastronomie keinen Nachholeffekt gebe: „Ein Essen, das wir heute nicht verkaufen, wird in zwei Monaten auch nicht verkauft. Wenn heute unsere Stühle, Tische und Betten leer stehen, können wir in zwei, drei, vier Monaten nicht doppelt so viele Gäste satt machen. Die Kosten aber türmen sich auf. Diese Rechnung kann nicht aufgehen!“

Überblick

Das sind die wichtigsten Forderungen der Gastronomen:

Sofortige hundertprozentige Kostenübernahme aller Bruttogehälter,  ohne Trinkgeld reichten 60 Prozent Kurzarbeitergeld nicht aus.

Ersatzzahlung für ausgefallene Arbeitsstunden an Minijobber

Steuernachlässe anstelle von Stundungen /Aufschiebungen

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht 21. März

Sofortiger Aufwendungsersatz für Mietkosten

Rechtlicher Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen auf Grund von Leasing- und Kreditverträge

Soforthilfe mit nicht rückzahlbaren Beihilfen ohne kompliziertes Antragsverfahren (u.a. für Tilgung Betriebskosten wie Mieten, Strom)siehe Bayern