Fußball

Die Rückkehr des Drucks für Dardai

Hertha BSC will endlich raus aus den Negativschlagzeilen. Die drei Niederlagen zum Saisonstart haben die Berliner schwer getroffen. Trainer Dardai will sich aber nicht in ein Punkte-Korsett zwängen lassen. Sportdirektor Friedrich nimmt die Spieler in die Pflicht.

Von Arne Richter, dpa
Herthas Cheftrainer Pal Dardai (l) gibt Kevin-Prince Boateng Anweisungen.
Herthas Cheftrainer Pal Dardai (l) gibt Kevin-Prince Boateng Anweisungen. Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild

Berlin - Druck ist so ein Wort, das Pal Dardai praktisch permanent begleitet. Und meistens benutzt er es selbst. „Jetzt haben wir ein Druck-Spiel“, sagte der Trainer von Schlusslicht Hertha BSC vor der Auswärtspartie in der Fußball-Bundesliga beim Aufsteiger VfL Bochum am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN). Natürlich, könnte man meinen. Haben die Berliner doch bislang alle drei Spiele in dieser Saison verloren und sind folglich punktlos Letzter. Das Eingeständnis ist insofern eine Wendung, da Dardai noch vor wenigen Wochen meinte, Druck könne es für ihn gar nicht geben.

Es folgten die Niederlagen gegen Köln (1:3), Wolfsburg (1:2) und Bayern München (0:5), die eigentümliche Nörgel-Rede Dardais über die Lage bei der Hertha und der folgende Anpfiff von Geschäftsführer Fredi Bobic in der Fußball-Länderspielpause. Bei der Pressekonferenz vor der Bochum-Partie machte der oft so launige Dardai einen ungewohnt angespannten Eindruck. Für Zuversicht war Arne Friedrich zuständig. „Grundsätzlich sind wir sehr optimistisch, alles andere macht keinen Sinn“, meinte der Sportdirektor.

Im Abstiegskampf der Vorsaison hatte Dardai die Spiele kategorisiert. Leichte Partien waren „Muss-Spiele“. Das sei Bochum nicht. Auch eine angebliche Vorgabe von sechs Punkten aus dieser Partie und dem folgenden Heimspiel gegen den zweiten Aufsteiger aus Fürth sei „großer Quatsch“. Bis Weihnachten müsse man die Situation stabilisieren. „Es ist wichtig, dass wir einen Punkt mitnehmen“, sagte Dardai. „Alles ist einfacher, wenn du Spiele gewinnst“, meinte Friedrich zur generellen Stimmungslage.

Er wollte aber auch den Fokus wegdrehen von Dardai. „Die Spieler sind jetzt gefragt, die Verantwortung muss auch weitergegeben werden“, sagte er. Auf Kevin-Prince Boateng ruhen dabei besondere Hoffnungen. Obwohl er möglicherweise gar nicht spielen kann. „Heute steht noch nicht fest, dass er von Anfang spielt. Es kann auch sein, dass er reinkommt, um das Spiel zu drehen“, sagte Dardai zu den Startelf-Chancen von Boateng.

„Er wird uns auch helfen, wenn er auf der Bank sitzt“, sagte der Trainer zu den Führungsqualitäten des zuletzt am Rücken verletzten Mittelfeldspielers. „Wir wollen ihn auch für die Kabine“, beschrieb Dardai die besondere Rolle des 34-Jährigen, der gegen Wolfsburg kurz vor der Halbzeit angeschlagen ausgewechselt worden war und anschließend in München nicht mitspielen konnte.

Nach den Niederlagen deutete Dardai die Rückkehr zu einer Fünfer-Abwehrkette an, die schon in der vergangenen Saison ein probates Mittel war. „Es hat den Vorteil, dass wir hinten Überzahl haben und trotzdem hoch verteidigen“, betonte der Ungar. Offensiv haben die Neuzugänge Ishak Belfodil, Myziane Maolida und Marco Richter gute Aussichten auf Einsätze. Für die Zukunft seien alle Startelf-Kandidaten, für Bochum aber noch nicht alle auf einmal.