Eltern oft unzufrieden mit Betreuungsangebot während Corona

Job und Nachwuchs unter einen Hut zu bringen, war für viele Familien in der Corona-Krise ein echter Kraftakt. Nicht alle Kinder konnten die Kita-Notbetreuung in Anspruch nehmen. Die Unzufriedenheit darüber war groß.

Von dpa
Kinderhände und ein Regenbogen sind an einer Kita zu sehen.
Kinderhände und ein Regenbogen sind an einer Kita zu sehen. Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Erfurt (dpa/th) – - Die in der Corona-Pandemie angeordnete Schließung von Kindergärten hat nach Einschätzung der Erfurter Erziehungswissenschaftlerin Barbara Lochner zu Neiddebatten unter den Eltern geführt. Die Frage, wer trotz geschlossener Einrichtungen sein Kind dennoch in die Notbetreuung bringen durfte, habe immer wieder zu Diskussionen geführt, sagte Lochner am Donnerstag in Erfurt bei einer Online-Veranstaltung der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege. Es sei sehr genau geschaut worden, „welche Eltern bringen ihre Kinder eigentlich und warum“.

Lochner ist Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Fachhochschule Erfurt. Sie hat während des ersten Lockdowns eine Studie zur Belastung von Familien in der Coronakrise gefertigt und in den folgenden Monaten Interviews mit betroffenen Familien geführt.

Diese Neiddebatten hätten auch zur Stigmatisierung von Eltern geführt, die ihre Kinder in die Notbetreuung gegeben hätten, ohne in einem systemrelevanten Beruf beschäftigt zu sein, sagte Lochner. Dass sei etwa dann der Fall gewesen, wenn sie die Betreuung der Kinder etwa aus gesundheitlichen oder sozialen Gründen nicht anders hätten sicherstellen können. Davon seien zum Beispiel finanzschwache Familien oder Familien mit Migrationshintergrund besonders hart getroffen worden.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 hatten bei geschlossenen Kindergärten in Thüringen nur Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen Anspruch auf eine Notbetreuung. In den darauffolgenden Lockdowns wurden die Kriterien für die Notbetreuung dann aufgeweicht.

Nach Angaben aus den Kindergärten führte das schließlich dazu, dass in manchen Einrichtungen teilweise drei Viertel der angemeldeten Kinder im Kindergarten waren – trotz Schließung. Gleichwohl die Aufweichung der Notbetreuungskritierien aus medizinischer Sicht kritisch bewertet worden sei, sei sie aus pädagogischer Sicht richtig gewesen, betonte Lochner.

Auch mit Blick auf die Schulen sei die Unterstützung von Familien durch Kita-Betreuungsangebote in der Pandemie von den Eltern ziemlich schlecht bewertet worden, sagte Lochner. Der primäre Sinn von Kindergärten sei die Betreuung von Kleinkindern, damit die Eltern arbeiten gehen können. Breche diese Möglichkeit weg, seien alle weiteren Unterstützungsformen aus Sicht der Familien zwar „nett“, gingen aber am tatsächlichen Bedarf vorbei. Gerade während des ersten Corona-Lockdowns seien Kindergärten deshalb als Hilfen für Familien „eigentlich nicht präsent“ gewesen.

Für viele Eltern sei außerdem problematisch gewesen, dass Informationen oft nur sehr kurzfristig übermittelt worden. Manchmal sei auch nicht verstanden worden, was für wen bis wann gelte, sagte Lochner. Die Corona-Krise habe auch offengelegt, dass es große Unterschiede bei der Kompetenz von Eltern gebe, sich Informationen zu beschaffen.