Corona-Pandemie

Ethiker aus Thüringen fordert Impfpflicht mit harten Strafen für Ungeimpfte

Ethiker Nikolaus Johannes Knoepffler plädiert für eine Impfpflicht. Vor allem Ungeimpfte sollten "so hart bestraft werden, dass es finanziell wehtut", fordert er.

27.11.2021, 11:25
Nikolaus Johannes Knoepffler, Leiter des Lehrstuhls für angewandte Ethik/Ethikzentrum an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Nikolaus Johannes Knoepffler, Leiter des Lehrstuhls für angewandte Ethik/Ethikzentrum an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Foto: dpa

Jena/dpa - Aus Sicht des Jenaer Ethikers Nikolaus Knoepffler müsste eine allgemeine Corona-Impfpflicht für Erwachsene auch mit harten Strafen einhergehen. "Diejenigen, die sich nicht aus Solidarität mit den Mitmenschen oder aus Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit impfen lassen wollen, müssten durch eine Impfpflicht dazu gebracht werden. Wer sich dann nicht impfen lässt, sollte so bestraft werden, dass es finanziell wehtut", sagte der Inhaber des Lehrstuhls für angewandte Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität. Auch am Arbeitsplatz müsste aus seiner Sicht Arbeitgebern das Recht eingeräumt werden, Arbeitnehmern zu kündigen.

Knoepffler hatte noch im Sommer für eine "moralische Impfpflicht" plädiert: Nur so könne verhindert werden, dass es einen erneuten Lockdown gebe, Schulen geschlossen werden oder Geschäfte dicht machen müssen. Man habe aber unterschätzt, wie viele Menschen sich nicht impfen lassen wollen. "Man muss den Druck nun erhöhen, nachdem man gesehen hat, dass die Leute sich nicht solidarisch gezeigt haben." Mittlerweile spreche er sich daher für das gesetzliche Mittel aus.

Ungeimpfte sollen auf Behandlung auf Intensivstation verzichten

"Es gäbe auch Alternativen: Etwa könnten diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, eine Art Patientenverfügung unterschreiben, dass sie sich nicht auf der Intensivstation behandeln lassen wollen." Man könne auch überlegen, ob man Menschen an den Behandlungskosten beteilige. Beides sei aber wohl schwer durchsetzbar.

Eine Spaltung der Gesellschaft sehe er durch eine allgemeine Impfpflicht nicht. "Eher im Gegenteil: Ich sehe die Empörung und Wut von denen, die alles getan haben, dass man die Pandemie in den Griff bekommt." Die Gesellschaft sei an diesem Punkt ohnehin bereits gespalten - man werde daher nicht mehr spalten können.

In Thüringen hat die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht zuletzt an Fahrt aufgenommen. Die Linke im Land sprach sich jüngst auf ihrem Parteitag dafür aus. Auch Gesundheitsministerin Heike Werner und Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (beide Linke) plädierten für das Mittel. Aus der Wirtschaft kamen teils ähnliche Stimmen.