Michel und Homann: Erstmals Doppelspitze bei Sachsen-SPD?

Doppelte Führungsspitzen liegen im Trend - auch bei der SPD. Bei den sächsischen Sozialdemokraten will künftig eine Frau ganz vorn mitmischen. Es wäre erst die zweite Vorsitzende der Partei.

Von dpa 20.08.2021, 13:30 • Aktualisiert: 21.08.2021, 16:29

Dresden - Sachsens SPD soll erstmals in ihrer Geschichte von einer Doppelspitze geführt werden. Am Freitag bewarben sich die Gewerkschafterin Kathrin Michel (58) aus Ostsachsen und Generalsekretär Henning Homann (41) als Duo offiziell für das Amt. Es wird im Herbst vakant. Parteichef Martin Dulig, der auch Wirtschaftsminister des Landes und zugleich Vize-Ministerpräsident ist, hatte im Juni seinen Rückzug vom Vorsitz angekündigt. Der 47-Jährige leitet die Partei seit Herbst 2009. Die Wahl soll am 9. Oktober erfolgen. Weitere Kandidaturen sind bisher nicht bekannt.

Michel bezeichnete den „Kampf um Gerechtigkeit“ als ihre und Homanns gemeinsame Leidenschaft. Zudem seien sie beide „MacherInnen“: „Wir lieben es, im Team Ideen zu entwickeln, Projekte auf den Weg zu bringen.“ Wo Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten regierten, gehe es gerechter zu. Die Partei arbeite langfristiger an Zukunftsthemen und sehe diese immer im Verbund mit der sozialen Komponente. Die SPD habe die Vision einer Gesellschaft, die von Respekt getragen ist. „Wir werden diese Vision Stück für Stück umsetzen und damit ganz konkret das Leben der Menschen besser machen.“

Nach den Worten Homanns ist die SPD „mehr als eine Regierungspartei“. „Die Idee der Sozialdemokratie war immer mehr als die Partei.“ Ihre Idee sei auch immer stärker gewesen als die Wahlergebnisse in Sachsen: „Deshalb darf die SPD nicht alleine in ihrer Regierungsarbeit aufgehen. Sondern sie muss als eigenständige politische Kraft ein stärkeres Profil entwickeln.“ Man kämpfe für diejenigen, die jeden Tag hart arbeiten in diesem Land, betonte Homann und verwies auf sozialdemokratische Anliegen wie Mindestlohn oder eine starke Tarifbindung der Unternehmen.

Die SPD in Sachsen hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder. Bei der Landtagswahl 2019 erreichte sie mit 7,7 Prozent der Zweitstimmen einen historischen Tiefstand. Aktuell liegt sie in Umfragen zur Landtagswahl bei 11 Prozent und mit Blick auf die Bundestagswahl in Sachsen bei 15 Prozent.

Bewerber Homann verortete sich am Freitag in seiner Partei als „pragmatischer Linker“. „Mein Herz schlägt links“, bekannte Michel, die seit 2009 in der SPD ist. Homann gehört den Sozialdemokraten seit 25 Jahren an. Beiden stellten ihren Umgang miteinander als harmonisch dar und bezogen das auch auf musikalische Qualitäten. Homann spielt Schlagzeug, Michel hat eine klassische Klavierausbildung.