Niedrige Corona-Zahlen: Norden macht großen Öffnungsschritt

Private Treffen mit bis zu zehn Personen drinnen, Zuschauer bei Veranstaltungen und beim Sport: Die Corona-Lage in Schleswig-Holstein entspannt sich zunehmend. Die Landesregierung plant weitere Öffnungen. Auch Feiern sind künftig wieder möglich.

Von dpa
Ein Mann hält einen Corona-Schnelltest in der Hand.
Ein Mann hält einen Corona-Schnelltest in der Hand. Fabian Strauch/dpa/Illustration

Kiel - Vor dem Hintergrund sinkender Infektionszahlen plant Schleswig-Holsteins Landesregierung deutliche Lockerungen der Corona-Regelungen. Ab Montag dürfen sich in Innenräumen wieder bis zu zehn Personen treffen. Die Anzahl der Haushalte ist dabei nicht begrenzt, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Donnerstag in Kiel sagte. Die entsprechenden Änderungen der Corona-Verordnung will die Landesregierung am Samstag beschließen.

Die Regierung bleibt bei dem Grundsatz, draußen mehr zu erlauben als drinnen. So sollen stufenweise wieder größere Veranstaltungen möglich werden. Je nach Art sollen unter Auflagen in Innenräumen bis zu 125 Teilnehmer möglich sein, im Freien bis zu 250. Auch Flohmärkte und Messen sind unter diesen Maßgaben drinnen wieder erlaubt. Feste und Empfänge sind künftig drinnen mit bis zu 25, draußen mit bis zu 50 Personen erlaubt. Geimpfte und Genesene werden dabei nicht mitgezählt.

„Die Faustregel lautet: Draußen gilt etwa doppelt so viel wie drinnen“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Bei Konzerten, im Theater oder Kino sind unter Auflagen demnach ab Montag ebenfalls bis zu 125 Personen drinnen und 250 draußen erlaubt. Chöre dürfen künftig mit Testpflicht, aber ohne Maske proben. In Museen und Ausstellungen soll die Testpflicht entfallen.

Von Montag an dürfen auch wieder alle Sportanlagen öffnen. Das gelte auch für Fitnessstudios, sagte Günther. Bei Sport im Innenraum soll ab zehn Personen eine Testpflicht gelten, bei Kindern und Jugendlichen bis 25 Teilnehmern nicht. Testpflicht besteht bei Fitnessstudios und in Schwimmhallen. Draußen sind bei Sportveranstaltungen bis zu 50 Teilnehmer ohne Testpflicht erlaubt. Im Amateursport sollen ab Montag wieder Zuschauer gestattet sein - analog zu den Vorgaben für Veranstaltungen.

Günther betonte mit Blick auf die für September geplante Kieler Woche: „Ab Anfang September sind alle auf der sicheren Seite.“ Voraussetzung ist, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben. Dann sind auch Zuschauer bei den Spielen der Handball-Erstligisten THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt möglich. Absehbar sei für die kommende Saison je nach Entwicklung eine Belegung von 50 Prozent, sagte der Regierungschef. Er appellierte an die Menschen, verantwortungsvoll mit den Lockerungen umzugehen. Sie seien nur möglich, weil das Infektionsgeschehen deutlich zurückgegangen sei. Bei Verschlechterungen würden Maßnahmen auch wieder verschärft.

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) betonte, „wir sind in der Pandemiebekämpfung einen Riesenschritt weiter gekommen“. Günther sagte, in den Schulen bleibe es jedoch bei der Maskenpflicht im Unterricht. Unter Auflagen soll im Norden ab Montag auch wieder Prostitution erlaubt werden, allerdings nur bei Erfassung der Kontaktdaten sowie mit Hygienekonzept für Freier und Prostituierte.

SPD-Landtagsfraktionschef Ralf Stegner begrüßte die angekündigten Öffnungen für die Kultur- und Veranstaltungsbranche sowie den Sport- und Freizeitbereich. „Zwar haben es beispielsweise Künstler oder Kulturbetriebe durch viel Kreativität und Ideenreichtum immer wieder geschafft, alternative Angebote während des Lockdowns zu schaffen“, sagte Stegner. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Corona diese Branche besonders hart getroffen habe. „Signale der Zuversicht sind in dieser angespannten Lage deshalb eine Notwendigkeit.“

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Schleswig-Holstein sank am Mittwoch auf 21,8, wie aus Daten des Gesundheitsministeriums in Kiel hervorgeht (Stand 26.5., 19.05 Uhr). Am Vortag hatte die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen bei 24,2 gelegen, am Mittwoch vergangener Woche bei 31,4. Die Regionen mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz sind der Kreis Herzogtum Lauenburg (31,3) und die Landeshauptstadt Kiel (30,4). Am niedrigsten sind die Werte im Kreis Schleswig-Flensburg (8,0) und in Flensburg selbst (8,9).