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Rolling-Stones-Ticketaffäre geht weiter: Neun Verfahren

Vor vier Jahren gaben die Rolling Stones ein legendäres Konzert im Hamburger Stadtpark. Zahlreiche Beamte erhielten Freikarten vom Veranstalter. Das brachte eine Affäre ins Rollen, deren Ende immer noch nicht absehbar ist.

Von dpa
Eine Statue der Justitia hält eine Waagschale.
Eine Statue der Justitia hält eine Waagschale. Stefan Puchner/dpa/Symbolbild

Hamburg - Vier Jahre nach dem Auftritt der Rolling Stones im Hamburger Stadtpark ist ein Ende der Affäre um Freikarten für das Konzert nicht absehbar. Die Verteidigung habe Berufung gegen die Verurteilung einer hochrangigen Beamtin eingelegt, teilte die Gerichtspressestelle mit. Das Amtsgericht Hamburg hatte am 26. August eine Dezernentin aus dem Bezirksamt Nord wegen Vorteilsannahme und der Verleitung Untergebener zu einer Straftat zu 120 Tagessätzen von je 115 Euro verurteilt (Az. 248a Ds 28/19).

Nach Angaben des Gerichts hatte die 56-Jährige zwei Tickets im Wert von 336,80 Euro angenommen. Die beiden Tickets gehörten zu einem Kontingent von 100 Freikarten, die der damalige Leiter des Bezirksamts Hamburg-Nord, Harald Rösler (SPD), vom Konzertveranstalter verlangt haben soll. Das Bezirksamt hatte die Veranstaltung im Stadtpark genehmigt. Zu dem Rolling-Stones-Konzert am 9. September 2017 - Auftakt der damaligen „No Filter“-Europatournee - waren mehr als 80.000 Fans gekommen.

In einem ersten Verfahren wegen der Ticketaffäre war Ende 2019 eine ehemalige Staatsrätin zu einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen von je 170 Euro verurteilt worden. Auch dieses Urteil (Az. 255 Ds 200/18) ist noch nicht rechtskräftig. Rechtskraft erlangte dagegen ein Strafbefehl gegen einen anderen Beschuldigten über 90 Tagessätze zu je 150 Euro und eine Verwarnung gegen eine weitere Person, wie aus einer Senatsantwort auf eine kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten André Trepoll hervorgeht.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte gegen insgesamt 57 Personen ermittelt. Die meisten Verfahren wurden inzwischen eingestellt, doch neun sind noch bei Gericht anhängig, darunter die gegen die Dezernentin und die ehemalige Staatsrätin sowie gegen den ehemaligen Bezirksamtschef Rösler.