Aufgespießt

Sehnsuchtsort Magdeburg

Eine Schnapswerbung aus Berlin bringt Magdeburg ganz weit nach vorn. Zumindest in den sozialen Medien.

Von Axel Ehrlich

Magdeburg/Berlin l Seit einigen Tagen wirbt ein Kräuterschnaps-Hersteller für sein bitteres Gebräu mit dem Satz (Achtung, Schmäh-Versuch im zweiten Teil) „Du wirst befördert und versetzt nach Magdeburg – das Leben ist bitter.“

Die Plakate hängen in Berlin. Aber was genau ist die Botschaft? Klebriger Schnaps als Trost für hippe Hauptstädter, die plötzlich in die Provinz müssen? So mittellustig. Viel naheliegender: Total leckerer und edler Kräuterlikör, mit dem der metropolenmüde Berliner dankbar seinen lang ersehnten Ortswechsel ins viel weniger anstrengende und dennoch ganz schön coole Magdeburg feiern darf!

Für Variante b sprechen: erheblich geringere Mieten bzw. Immobilienpreise. Ein echter Fluss mitten durch die Stadt, nicht mehr so weit bis in den Harz ... Und gute, qualifizierte Jobs, für die man erst mal befördert und gegebenenfalls versetzt werden muss, gibt es hier auch. Sagt ja das Plakat.

Wenn die Plakate demnächst auch in Bernburg, Bitterfeld und Braunsbedra hängen, kann man den zweiten Teil, den mit der Schnaps-Belohnung, komplett weglassen. Magdeburg als Sehnsuchtsort, als hoffnungsvolle Alternative zur perspektivarmen Pampa ist ein absoluter Selbstläufer.

Aber eigentlich sind Inhalte sowieso zweitrangig – dabei sein ist alles: Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt wird über den Umweg Schnapswerbung gerade zum viralen Renner in den sozialen Netzwerken, das Foto wird zehntausendfach geteilt. Tolle Image-Werbung für Magdeburg – und die Stadt hat keinen Cent dazubezahlt. Axel Ehrlich