Aufgespießt

Wie man Fußballer auf Distanz halten kann

Die Bundesliga nutzt nicht die Chancen der Corona-Epidemie. Fußball des 22. Jahrhunderts könnte entstehen.

Von Alois Kösters

Der Mensch ist ein Herdentier, rottet sich gern zusammen. Das war schon immer so. Früher müffelten die Großfamilien zusammen mit ihren Tieren in einem großen, unbelüfteten Raum. Hauptsache warm und alle riechen gleich (streng). Das steckt alles noch in uns.

Dass die Viren und Bakterien da gerne mitkuschelten, war noch nicht bekannt und ist sowieso ein rationaler Gedanke, der nicht so einfach in unsere Verhaltensmuster einprogrammiert werden kann. Vernunft muss man sich antrainieren. Wie wir wissen, fehlt sie gänzlich im umfangreichen Trainingsprogramm der Fußballer. Kämpfer suchen den Körperkontakt. Sieger beschnuppern und betatschen sich. Vielleicht sollte die DFL von Grundschülern in Taiyuan in der Shanxi-Provinz im Norden Chinas lernen. Die haben sich kleine Engelsflügelchen gebastelt, die ihre Feunde auf Distanz halten. Niklas Süle (1,95 m) mit Engelsflügelchen. Nein wie süß!

Eine ganz neue Qualität könnte das Spiel mit „bumper tables“ bekommen. Ein Restaurant in Ocean City, Maryland, platziert jeden einzelnen Besucher in Riesenschwimmreifen. Das würde auch das Verletzungsrisiko minimieren.

Für Tipp-Kick-Fans ginge ein Traum in Erfüllung, wenn die DFL 22 weiße Kreise auf den heiligen Rasen auftragen ließe, die die Spieler nicht verlassen dürfen. So wie in einem Park in Brooklyn. Trainer würden nur noch Filigrantechniker einsetzen, die Bälle kontrollieren und verteilen können. Das körperlose Spiel würde wahr. Corona als Chance! Fußball des 22. Jahrhunderts.