Hluhluwe-Imfolozi-Park (dpa) Von Mund zu Mund gehen Neuigkeiten auch auf dem Land in Südafrika schnell um. Das mag in Zeiten des Smartphones veraltet wirken, aber für die Hightech-Tierschützer ist es entscheidend. Denn mit ihren lautlosen Drohnen sind sie Wilderern auf der Spur – und das spricht sich in Dörfern am Rande der Nationalparks herum, wo viele der illegalen Jäger leben.

Eine schwüle Februarnacht im Hluhluwe-Imfolozi-Reservat, etwa drei Autostunden von Durban: Computerbildschirme leuchten aus einem Van, der an einer Gras-Landebahn steht. Zwei Männer verfolgen die Wärmebild-Aufnahmen: Einer steuert die Drohne, der andere wertet die Bilder aus.

„Uns haben schon jede Menge Dorfbewohner dabei zugesehen, wie wir die Drohnen gestartet und bedient haben“, sagt Rob Hannaford, Leiter des Projekts „Air Shepherd“ (Lufthirte). „Die Leute sehen, wie sie abheben und still in der Nacht verschwinden. Und Sekunden später sendet die Kamera Live-Bilder.“ So können die Tierschützer nicht nur Wilderer auf der Jagd nach Nashörnern und Elefanten abfangen – das Projekt schrecke sie auch davon ab, überhaupt loszuziehen.

Dem südafrikanischen Umweltministerium zufolge leben in dem Land etwa 25 000 Nashörner, 90 Prozent des weltweiten Bestands. Mit der steigenden Nachfrage nach ihren Hörnern stehen sie seit etwa zehn Jahren immer stärker im Fadenkreuz. Zu Pulver zermahlen, gelten die Hörner in einigen Ländern Asiens als Arznei oder Potenzmittel.

Die US-amerikanische Lindbergh-Stiftung gründete das Projekt „Air Shepherd“ 2012, doch wegen strenger Auflagen musste es zunächst auf Eis gelegt werden. Ende 2015 gingen die Tierschützer im Hluhluwe-Imfolozi-Park und im Krüger-Nationalpark wieder an den Start.

Ihre Drohnen fliegen Hunderte Meter über den Parks auf einer festen Route – nachts, wenn die meisten Wilderer unterwegs sind. Die Kameras beobachten die Zugänge der Parkzäune und die Wasserlöcher, an denen sich Elefanten und Nashörner versammeln. Wenn der Pilot und sein Assistent verdächtige Vorgänge beobachten, alarmieren sie die bewaffneten Parkwächter. Sie rasen durch den Busch, um die Eindringlinge abzufangen. Das endet oft in Gewalt – regelmäßig werden Ranger und Wilderer in südafrikanischen Nationalparks getötet.

Werden sie nicht aufgehalten, töten die Jäger die Tiere, hacken Hörner und Stoßzähne heraus, schmuggeln sie aus dem Park und verkaufen sie an einen Mittelsmann für umgerechnet rund 15 000 Euro – eine Menge Geld in Dörfern, die unter Dürre leiden. Um der Wilderei in Afrika ganz den Garaus zu machen, bräuchte das Projekt „Air Shepherd“ bis zu 50 Drohnen, heißt es. Bislang gibt es zwei. Während ihrer rund 600 Missionen wurde nach Angaben der Projektverantwortlichen kein Elefant oder Nashorn getötet. Auch in Kenia, Tansania und im Kongo hatten Tierschützer ähnliche Systeme getestet. „Seitdem die Drohnen fliegen, gab es keinen Fall von Wilderei mehr“, sagt Projektleiter Hannaford Der Einsatz der Tierschützer hat sich wohl herumgesprochen.