Nairobi (dpa) l Türme aus Elefantenstoßzähnen und mehr als eine Tonne Nashorn-Hörner: Rund 105 Tonnen Elfenbein und Horn sollen am heutigen Sonnabend in Kenia verbrannt werden, vor den Augen von Stars wie Leonardo DiCaprio und Elton John.

Spektakel für Naturschutz

Um das Elfenbein so zu zerstören, dass es für den Schwarzmarkt unbrauchbar sei, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, wie Gavin Shire von der amerikanischen Naturschutzbehörde (FWS) sagt. „Man muss es zerkleinern und dann bei hohen Temperaturen verbrennen.“ Im Jahr 2008 hatte der FWS Testverbrennungen durchgeführt. Bei Temperaturen von rund 1000 Grad Celsius seien in einer Stunde nur wenige Gramm Elfenbein verbrannt worden, erklärt Shire. Ein Stoßzahn eines männlichen Elefanten wiege rund 45 Kilogramm. Demnach dauere es mehr als vier Tage, bis ein solcher Stoßzahn vernichtet sei.

Es ist ein Medienspektakel als Bekenntnis zum Naturschutz. Kenia will im weltweiten Kampf gegen Elfenbeinhandel die Weichen neu stellen.

Rund 35.000 Elefanten wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Organisation African Wildlife Foundation (AWF) in Afrika getötet. Insgesamt gebe es nur etwa 400.000 bis 500.000 Elefanten, erklärten Naturschützer. Seit 1960 wurden der AWF zufolge zudem knapp 98 Prozent der Spitzmaulnashörner getötet.

Größter Markt ist China

Der Preis für ein Kilogramm Elfenbein auf dem Schwarzmarkt liegt der Organisation Pro Wildlife zufolge bei rund 1000 Euro, ein Kilogramm Nashorn-Horn werde für mehr als 50.000 Euro gehandelt. Der größte Markt dafür: China.

Kenias Regierung drängt die internationale Gemeinschaft zur Unterzeichnung eines weltweiten Handelsverbots, das bei einer Artenschutzkonferenz in Südafrika im Herbst diskutiert werden soll. Bereits in den 1980ern hatten die meisten Länder den Handel mit Elfenbein verboten, jedoch mit Ausnahmen.

Mit dem Hashtag #worthmorealive (etwa: lebendig mehr wert) hatte die kenianische Naturschutzbehörde online für das Ereignis in Kenia geworben. Mehrwert haben lebende Elefanten und Nashörner für Kenia allemal: Nach Angaben der Welttourismusorganisation verdiente Kenia 2015 an Touristen rund zwei Milliarden Euro – knapp vier Prozent seines Bruttoinlandprodukts. Mehr als neun Prozent der rund 46 Millionen Kenianer arbeiten demnach in der Branche. Neben Sandstränden sind es vor allem Safaris, die die Touristen anziehen.

Wie die Verbrennungen den Markt beeinflussen, sei ungewiss, sagt Analyst Mike Norton-Griffiths. Die 105 Tonnen, die jetzt in Kenia verbrannt werden sollen, entsprächen rund fünf Prozent des weltweiten Elfenbeinbestands, sagt er.