Potsdam/Cottbus (dpa) l Mit Rollenspielen und Diskussionen über kulturelle Werte will Brandenburg an Schulen verhindern, dass junge Flüchtlinge in den Islamismus abdriften. Das Projekt "Reflect – Freiheit beginnt im Kopf" mit Hilfe des Präventionsexperten Ahmad Mansour startet zunächst am Oberstufenzentrum Cottbus. Später soll es an fünf weitere Schulen kommen. In den Diskussionen geht ein vierköpfiges Team von Psychologen, Sozialarbeitern und Pädagogen in eine Flüchtlingsklasse. Dabei sprechen sie laut Mansour mit den Jugendlichen auch über Problemthemen. Ähnliche Projekte liefen nach seinen Angaben bereits in Bayern.

"Wir wollen die Jugendlichen auf Augenhöhe in Dialogplattformen erreichen", sagte der Psychologe Mansour am Freitag in Potsdam. "Wir wollen Ängste abbauen, Ängste vor Gleichberechtigung, Ängste vor Identitätsverlusten, Ängste, die um die westliche Kultur entstehen." Integration sei die beste Prävention. "Sie streiten mit uns, das ist genau, was wir wollen. Dieser Streit führt nicht zu Aggression, sondern zum Nachdenken." Die Jugendlichen müssten emotional in Deutschland ankommen und sich dafür mit den Werten der Gesellschaft auseinandersetzen. Er räumte ein, es gebe auch Ablehnung. "Natürlich werden wir nicht alle erreichen."

Für den Schulleiter des Oberstufenzentrums Cottbus, Michael Seifert, geht es auch um ein Netz, das unter Mitwirkung von Schulsozialarbeitern und Migrationsarbeitern geknüpft wird. Neben den Workshops gibt es Fortbildungen für Lehrer. Brandenburg fördert das Projekt, das vom "Bündnis für Brandenburg" unterstützt wird, in diesem Jahr nach Angaben von Staatskanzleichef Martin Gorholt (SPD) mit 139.000 Euro. Gespräche mit weiteren Schulen wie in Neuruppin und im Kreis Barnim liefen bereits.