Magdeburg l „Auch künftig bleibt es unser erstrangiges Anliegen, überall so zu wirken, dass sich die Persönlichkeit der Frauen weiter entfalten kann und dass sie in noch größerer Zahl Tätigkeiten ausüben, auch leitende Funktionen, die durchaus ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten entsprechen.“ Dieser Satz könnte aus einem Grußwort von Michael Müller (SPD), dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, zum heutigen neuen Frauentags-Feiertag in der Hauptstadt stammen.

Es ist indes ein Auszug aus der Würdigung des Frauentages durch das Zentralkomitees der SED in der DDR am 8. März 1989. Die Rede ist da vom Dank für „großen Initiativen und vielseitigen Leistungen“ der Frauen, von der „Anerkennung und Achtung“ der Mütter des Landes. Viel DDR-typische Phraseologie findet sich in dem Schriftstück und am Ende der sozialistische Gruß von Partei- und Staatschef Erich Honecker.

Madaillen und Urkunden für Frauen

Die warmen Worte der obersten Führung gehörten zum 8. März in der DDR wie der Regen von Medaillen, Titeln und Ehrenurkunden, der sich über dem weiblichen Teil der Bevölkerung ergoss.

Prämien wurden von den Frauen gern genommen, genauso wie Blumen. Die allerdings waren Anfang März in der DDR so schwer zu bekommen wie Zylinderköpfe für einen „Wartburg“-Pkw. Umso glücklicher konnten sich Männer schätzen, die für Ehefrauen und Kolleginnen einen Strauß erbeuteten.

Am Frauentag wurde zudem fleißig gebechert: Bei kulturellen Darbietungen, im Betrieb, im Sportverein, im Klub der Volkssolidarität.

Frauen selten in Führungspositionen

Am nächsten Tag waren Glückwünsche und Feierei Geschichte. Die Partei hatte wie jedes Jahr genug für die Frauen und Mädchen der Republik getan, die sich nun wieder mit voller Hingabe der Planerfüllung widmen sollten. Die gepriesene weibliche Führungsverantwortung war in der Praxis ein Witz: Im SED-Politbüro saß Inge Lange als einzige Frau. In den großen Betrieben sah es nicht anders aus.

Der Frauentag in der DDR war am Ende zu einer weitgehend inhaltslosen Hülle verkommen. Das damit verbunden alljährliche Ritual bot Abwechslung, mehr nicht. Den Rang einen arbeitsfreien staatlichen Feiertags wurde der 8. März nie erhoben.

Dabei hatte es im Osten Deutschlands nach dem Krieg so hoffnungsvoll begonnen. 1947 gründete sich der Demokratische Frauenbund Deutschlands. Im selben Jahr wurde erstmals in Deutschland am 8. März der Internationale Frauentag als Feiertag begangen.

Verbot unter Nazis

Ein später Sieg für die sozialistische Vorkämpferin Clara Zetkin, auf deren Vorschlag hin der 1. Internationale Frauentag am 19. März 1911 eingeführt wurde. Nach einer Frauendemonstration am 8. März 1917 in Russland blieb schließlich bei diesem Datum. Die Nazis mit ihrer Blut- und Bodenideologie waren nach der Machtübernahme mit dem Verbot des Kampftages für die Gleichberechtigung ganz schnell. Stattdessen wurde nun der Muttertag mit viel Aufwand gefeiert. Die Bundesrepublik übernahm diese Einordnung, die 1990 auf den Osten Deutschlands überging.

Die DDR-Frauentagstraditionen erhielten sich in abgespeckter Form. Hier ein Kaffeekränzchen, dort ein Blumensträußchen. Oder gern eine Men-Strip-Show im alten Kreiskulturhaus.

Nun ist der 8. März als Kampf- und Feiertag zurück. Im Spannungsfeld von Gendergerechtigkeit, brandenburgischem Parité-Gesetz und Berliner Feiertagseinführung. Die Frauen kämpfen das letzte Gefecht für die Gleichberechtigung – aber hängen vorher noch die Wäsche auf.