Aachen (dpa) l Mehrere tausend Schüler haben sich in Aachen an einer Fridays-for-Future-Demo für mehr Klimaschutz beteiligt. Bei strahlendem Sommerwetter hatte der Massenauflauf mit Sternmarsch und einer für den Freitagnachmittag geplanten zentralen Kundgebung Festivalcharakter. Auf Transparenten, in Sprechchören und Reden forderten die Teilnehmer ein schnelles Abschalten der Kohlekraftwerke und andere einschneidende Schritte zur Begrenzung des Klimawandels.

"Wir müssen jetzt etwas tun, es ist eigentlich schon zu spät", warnte Malika Scheller (17) aus Freiburg. Der Klimaschutz sei eine "Existenzfrage", erklärte Alexander Beck (18) aus Überlingen am Bodensee. Nadja Gosteli (15) aus der Schweiz sagte, sie "nutze jetzt die Chance, etwas zu verändern in der Welt. Wenn man die Chance hat, ein Held zu sein, sollte man sie doch nutzen."

Selbstgebastelte Schüler

Viele Schüler hatten selbst gebastelte Plakate mitgebracht. Darunter waren Schilder mit Aufschriften wie: "Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit" oder "Grandma, what's a Snowman?" (Oma, was ist ein Schneemann?). Über einem Feuerwehrauto hing ein Transparent mit dem Spruch "Our House is on fire" (Unser Haus steht in Brand). Der 21 Jahre alte Nikolai Maas aus Karlsruhe hatte ein Schild dabei mit der Aufschrift: "Mach's wie der BER: boykottier Flüge" – eine Anspielung auf den nicht fertig werdenden Berliner Flughafen.

Einer der ältesten Teilnehmer war der 88 Jahre alte Erasmus aus Köln. "Wir unterstützen die Schüler, wir wollen zeigen, dass wir Alten dieselben Ideen haben und dieselben Ziele", sagte er. Lange nicht alle Teilnehmer schwänzten den Unterricht, denn viele Schulen hatten den Freitag als Brückentag zwischen Fronleichnam und dem Wochenende freigegeben. "Ich habe frei", sagte etwa die 17 Jahre alte Romy aus Köln. Sie hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift "Das Klima ist aussichtsloser als unser Mathe-Abi". Die Polizei war mit großem Aufgebot vor Ort, doch ein Sprecher sagte, es gebe bisher keinerlei Vorkommnisse.

Protest in Halle

Rund 350 Schüler sind laut Angaben der Polizei auch in Halle für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen und haben einen Katalog mit Forderungen an die Stadt vorgelegt. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, verlief der Protestzug am Freitagmittag durch die Innenstadt auch hier ohne Zwischenfälle. Aufgerufen zu der Demo hatte die Gruppe Fridays for Future Halle. Die Veranstalter hatten laut Polizei 400 bis 500 Teilnehmer erwartet.

Die Demonstranten wollen Halle zu einer klimaneutralen Stadt machen und veröffentlichten einen Katalog mit verschiedenen Maßnahmen. Unter anderem fordern die Aktivisten den Öffentlichen Nahverkehr sowie den Radverkehr zu stärken, bis spätestens 2030 den Zukauf von Kohle- und Atomstrom zu stoppen und Grünflächen insektenfreundlicher zu machen.

Am Samstag will Fridays For Future ebenfalls am Tagebau Garzweiler für einen früheren Kohleausstieg demonstrieren. Nach Empfehlungen der Kohlekommission ist ein Ausstieg spätestens 2038 geplant.