Der Fluchtversuch des Halle-Attentäters Stephan B. ist mehr als ein peinlicher Vorfall für Sachsen-Anhalt. Es handelt sich schließlich nicht um irgendeinen Untersuchungshäftling, sondern einen Mordverdächtigen, der laut Anklage 68 weitere Menschen töten und in einer jüdischen Synagoge ein Blutbad anrichten wollte.

Dass es so einem Mann ohne Probleme gelingt, auf einem Freistundenhof völlig unbehelligt einen 3,40 Meter hohen Zaun zu überklettern und dann noch fünf Minuten auf dem Gelände – wenn auch im inneren Bereich herumzuschleichen – ist einfach nicht nachvollziehbar. Die Signale, die durch diesen Vorfall ausgehen, sind fatal. Und nicht nur die. Völlig unverständlich ist auch, dass die Anstaltsleitung erst am Dienstag das Ministerium informiert hat und die Öffentlichkeit am Ende erst vier Tage später von dem Fall erfuhr. Das Versagen muss nun dringend aufgeklärt werden, innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern.