Teil des Aachener Vertrages

Der bilaterale Bürgerfonds gehört zum Aachener Vertrag, den Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am 22. Januar 2019 unterzeichnet haben. Der Fonds ist mit insgesamt 2,4 Millionen Euro ausgestattet, die zu gleichen Teilen von Frankreich und Deutschland getragen werden.

Alle Informationen zum Bürgerfonds gibt es im Internet unter: www.buergerfonds.eu.

Dort erklärt ein Animationsvideo die Grundidee des Projekts. Über die Seite können auch Anträge auf Fördermittel für eigene Vorhaben gestellt werden, wobei des Prozedere möglichst einfach gehalten wurde.

Ausgewiesen sind vier Förderkategorien: bis 5000 Euro, bis 10   000 Euro, bis 50  000 Euro und ab 50  000 Euro. Der Schwerpunkt wird zunächst auf den kleineren Projekten liegen.

Bewerben können sich Vereine, Städtepartnerschaften, gemeinnützige Unternehmen aus Bildung und Wissenschaft. Ab drei Personen sind Projekte förderfähig, also auch Initativen, die keine Rechtsform als Verein haben.

Mit dem Deutsch-Französischen Bürgerfonds ist jetzt eines der größten Partnerschaftsprojekte gestartet. Näher kommen sollen sich Initiativen, Vereine oder Kommunen. Fördergelder werden unbürokratisch vergeben. Von unten soll die Freundschaft wachsen, die auf der politischen Ebene manchen Belastungen ausgesetzt ist.

Der Einstieg in den neuen Bürgerfonds ist zwar Realität, doch vollzieht er sich coronabedingt zunächst auf virtueller Ebene. Das soll sich ändern, sobald die Seuche eingedämmt ist, wie Tobias Bütow, Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks, informiert. Seiner Organisation obliegt es, den Bürgerfonds in Schwung zu bringen.

Seit September 2019 sei der Auftakt mit dem deutschen Familienministerium vorbereitet worden. „Eigentlich wollten wir Anfang April starten mit einer tollen Veranstaltung in Mainz und einer Gemeinde in Südwestfrankreich. Das war alles fix und fertig organisiert – dann kam Corona.“ Es sei über eine Vertagung diskutiert worden, dann wurde ein digitaler Start beschlossen. Bütow: „Gemeinsam sind wir stärker. Uns war wichtig, ein proeuropäisches Signal an die Zivilgesellgeschaft in Deutschland und Frankreich zu senden.“ Vorerst gibt es also Kooperation im elektronischen Format: Eine Idee sind Online-Dinner, die jeweils ins andere Land übertragen werden und die Vorstufe weiterer Kontakte sein können.

Der politische Rückhalt für das Projekt sei enorm, betont Bütow: „Der Bürgerfonds ist ein Leuchtturmprojekt der Zusammenarbeit, der große Unterstützung von beiden Parlamenten erhalten hat.“ Der Fonds entspreche einem Wunsch, den verschiedene Träger und Vereine schon lange Zeit hegten.

Erster Antrag aus Magdeburg

Der Zugang soll möglichst „niedrigschwellig“ sein, betont Bütow immer wieder. „Wir wollen in die Breite kommen und diejenigen unterstützen, die sich ganz oft schon ehrenamtlich engagieren und denen vielleicht Geld für ein neues Vorhaben mit dem Partnerland fehlt.“

Der erste Antrag für den Bürgerfonds in Deutschland kommt übrigens aus Magdeburg. Die hiesige Deutsch-Französische Gesellschaft, rund 20 Mitglieder zählend, hat ihn für ein Kulturprojekt bei der „Frankofolie“ in der Elbestadt im Juni gestellt. Vorsitzende Iris Hildebrandt war im Januar auf den Fonds aufmerksam gemacht worden. Durch die Pandemie ist nun offen, ob die Lesung plus Workshops mit Schülern auch über die Bühne gehen kann. Iris Hildebrandt blickt schon voraus: „Im Oktober wird eine Bürger-Delegation aus unserer Partnerstadt Le Havre in Magdeburg erwartet.“

Eine überraschende Duplizität der Partner: Le Havre war in Frankreich die erste Kommune , die einen Antrag für den Bürgerfonds eingereicht hat. Thema ist eine Frauen-begegnung.

Derzeit aber müssen sich Deutsche und noch mehr die Franzosen mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie herumquälen. Da in Frankreich die Kapazitäten in den Kliniken erschöpft waren, nahmen deutsche Krankenhäuser, auch in Sachsen-Anhalt, insgesamt 130 französische Patienten auf.

Große Resonanz auf deutsche Solidarität

Zu den französischen Reaktionen auf diese Solidaritätsaktion sagt Tobias Bütow: „Seitdem die ersten französischen Patienten aus Ostfrankreich nach Deutschland kamen, hat die Solidarität eine unglaublich große Resonanz sowohlbei französischen Politikern als auch in der Öffentlichkeit gefunden.“ In sozialen Medien habe es eine sehr bewegende Dankbarkeit gegeben.

Auf Regierungsebene sind sich Deutschland und Frankreich jedoch bei der Krisenbewältigung weniger einig, wenn es etwa um die Corona-Bonds geht. Bütow spricht von der Pandemie als gemeinsamer Erfahrung. „Umso wichtiger ist es, dass unsere Regierungen dabei gemeinsam agieren. Für mich ist klar, dass die Corona-Krise nur europäisch gemeistert werden kann. Deutschland und Frankreich müssen hier vorangehen, weil es mit die stärksten EU-Mitgliedstaaten sind.“