Berlin (dpa/jl) l Die designierte Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, hat die Datenschutzregeln in Deutschland als völlig veraltet kritisiert. Das Land brauche endlich eine "smarte Datenkultur" vor allem für Unternehmen, sagte die CSU-Politikerin der "Bild" (Dienstag). "Tatsächlich existiert in Deutschland aber ein Datenschutz wie im 18. Jahrhundert." Nötig sei ein Regelsystem, das den Unternehmen Chancen biete und sie nicht zerstöre.

"Wenn aber von der gut gemeinten, doch schlecht gemachten E-Privacy-Verordnung nur Google und Facebook profitieren und alle anderen Unternehmen leiden, ist das genau der falsche Weg", betonte Bär. Die E-Privacy-Richtlinie ist Bestandteil der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung zu EU-weit einheitlichen Standards beim Schutz persönlicher Daten von Internetnutzern. Experten warnen, dass der Wettbewerb mit Plattformbetreibern wie Facebook dadurch weiter verzerrt werden könnte.

Auch das bisherige Tempo bei der Digitalisierung Deutschlands kritisierte die CSU-Politikerin am Montagabend in den ARD-"Tagesthemen". Besonders an Schulen müsse die Digitalisierung stärker präsent sein. "Es ist ein Irrglaube, dass alle Kinder, die sich für Computer interessieren, dick und faul werden", so Bär. Man könne auf Bäume klettern und trotzdem eine Programmiersprache können beherrschen. Die designierte Staatsministerin für Digitalisierung schlug deshalb vor, dass Programmieren in die Lehrpläne der Grundschule aufgenommen wird. Es sei "so wichtig wie Lesen und Schreiben". Und genauso wie es wie es Sport- und Musikgymnasien gibt, müsse es außerdem auch Digitalgymnasien geben.

Tablets dürften beispielsweise nicht nur ein Privileg von Kindern in Privatschulen sein, sondern müsse zur Norm an Schulen werden. "Mich schmerzt, wenn meine Tochter einen Kiloschweren Ranzen voller Bücher in die Schule schleppt", erklärte die CSU-Politikerin.

Bär betonte, aus ihrer Sicht müsse der Staat Vorreiter bei der Digitalisierung sein. "Behörden müssen endlich so vernetzt werden, dass Bürger nicht Stunden auf Ämtern vergeuden, nur um sich zum Beispiel umzumelden", sagte sie. Jedes Ministerium in Deutschland müsse eigentlich "ein Digitalministerium sein". Start-ups dürften an bürokratischen Hürden nicht verzweifeln. Und auch im Gesundheitsbereich lägen viele Chancen: "Könnten Daten deutscher Patienten mit weltweiten Datenbanken abgeglichen werden, wäre eine Diagnose oft schneller da, als sie zehn Ärzte stellen können."