Fuldabrück/Guxhagen (dpa) l Rund vier Monate nach dem Verschwinden der fünfjährigen Kaweyar in Nordhessen ist eine Kinderleiche in der Fulda entdeckt worden. Der Leichnam eines Mädchens wurde am Montag im Bereich von Fuldabrück-Bergshausen bei Kassel aus dem Fluss geborgen, wie die Polizei in Homberg (Efze) am Dienstag zusammen mit der Staatsanwaltschaft Kassel mitteilte. Die fünfjährige Kaweyar wurde seit dem 17. Februar, ihrem Geburtstag, vermisst.

Nach einer vorläufigen Identifizierung des Leichnams durch die Ermittler der Kriminalpolizei handele es sich um die fünfjährige Kaweyar aus Guxhagen. Eine für Mittwoch geplante rechtsmedizinische Untersuchung stehe aber noch aus. Sie soll dann Gewissheit bringen und auch prüfen, ob nicht doch ein Gewaltverbrechen vorliegt. Das Mädchen sei mit "hoher Wahrscheinlichkeit" in Guxhagen in die Fulda geraten, erklärte die Polizei.

Nach Angaben der Ermittler an einer Fußgänger- und Fahrradfahrerbrücke eine Ansammlung von Treibgut aufgefallen. Daraufhin wurde gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk das Treibgut geborgen – dabei wurde die Kinderleiche gefunden.

Zuletzt auf Spielplatz gesehen

Kaweyar war zuletzt auf einem Spielplatz gesehen worden, der sich nicht weit entfernt von der Fulda befindet. Ihre Mutter hatte sie aus den Augen verloren. Das Mädchen konnte sich nach früheren Polizei-Angaben wegen einer leichten Behinderung nur eingeschränkt orientieren. Das Kind litt an Autismus.

Die Ermittler hatten von Anfang an vermutet, dass das Kind einer Flüchtlingsfamilie aus dem Irak ins Wasser gefallen war. Mehrere Suchaktionen, darunter auch mit Leichenspürhunden und Spezialbooten, waren allerdings ohne Erfolg geblieben. Zeitweise waren mehrere Hundert gleichzeitig im Einsatz gewesen, um das Mädchen zu finden.

Ihr Schicksal hatte in Hessen Erinnerungen an den Fall Aref geweckt. Der Fünfjährige verschwand am 4. April 2016 von einem Spielplatz in Wanfried im Werra-Meißner-Kreis und wurde bis heute nicht gefunden. Möglicherweise stürzte er in die Werra und ertrank.

Ungewissheit ist beendet

Die Gemeinde Guxhagen drückte am Dienstag ihr "tiefes Mitgefühl" für den Tod des Mädchens aus. Zumindest sei die Ungewissheit über den Verbleib nun beendet. So traurig es auch sei, "aber die Eltern haben nun Klarheit, was mit ihrer Tochter geschehen ist", sagte der Büroleiter der Gemeinde, Frank Jacob, der Deutschen Presse-Agentur.

In der 5400-Einwohner-Gemeinde machten nach dem Verschwinden des Mädchens verschiedene Theorien die Runde. Auch die Rede von einem Gewaltverbrechen ging um. Was das Verschwinden zudem so rätselhaft machte: Ein spurloses Verschwinden in der Fulda sei ungewöhnlich, weil dort ins Wasser gefallene Menschen eigentlich irgendwann immer wieder auftauchten, sagte Bürgermeister Edgar Slawik (parteilos). Zudem sei das Wasser nahe des Spielplatzes knietief. Und wer da hineinfalle, schreie. "Doch das ist alles nicht beobachtet worden." Der Fundort des Kindes liegt rund zehn Flusskilometer weiter, wie ein Polizeisprecher schätzte.