Chicago/Los Angeles (dpa) l Zwei Menschen sind Medienberichten zufolge bei Protesten in den USA gegen Polizeigewalt in Cicero, einem Vorort von Chicago, ums Leben gekommen. Mindestens 60 Menschen wurden festgenommen, wie die Fernsehsender NBC und CBS unter Berufung auf örtliche Behörden-Angaben berichteten. In der Stadt soll es am Montag (Ortszeit) zu mehreren Plünderungen gekommen sein, darunter auch in einem Spirituosengeschäft. Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Laut NBC waren mehr als 100 Polizisten im Einsatz, zudem wurden Kräfte der Polizei des Bundesstaates Illinois und des Sheriffbüros von Cook County hinzugezogen.

In St. Louis im US-Bundesstaat Missouri wurden bei Protesten nach Polizei-Angaben vier Beamte von Schüssen getroffen. Sie wurden in Krankenhäuser gebracht, wie die Polizei auf Twitter mitteilte. Die Verletzungen seien ersten Angaben zufolge aber nicht lebensbedrohlich. Wer die Schüsse abgegeben hatte, war zunächst nicht bekannt.

Auslöser der anhaltenden Proteste in den USA ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota. Tausende protestierten daraufhin gegen Polizeigewalt und Rassismus im Land. Dabei kam es auch zu Ausschreitungen und Plünderungen.

Unterstützung aus Hollywood

Zu den Demonstranten und deren Unterstützern zählen auch viele Prominente. Superstars gehen auf die Straße, sie skandieren mit Demonstranten, sie ergreifen bei Kundgebungen das Wort. Die Corona-Krise sorgte auch in Hollywood wochenlang für eine Schockstarre, nun wehren sie sich gegen das, was George Clooney als "unsere Pandemie" beschrieb: "Wir sind alle infiziert und in 400 Jahren haben wir noch keinen Impfstoff gefunden." In einem eindringlichen Essay schreibt der 59 Jahre alte Oscar-Preisträger bei der Nachrichten-Plattform "The Daily Beast" am Montag über systemischen Rassismus, Ungleichbehandlung und Polizeibrutalität gegen Schwarze in den USA.

Floyds schockierender Tod hat Hollywood aufgerüttelt, nicht nur zu eindringlichen Appellen, Tweets und Spendenaufrufen für Opfer von Rassengewalt. Oscar-Preisträger Jamie Foxx ("Ray") war am Montag in San Francisco an der Seite der schwarzen Bürgermeisterin London Breed mit einem symbolischen Kniefall bei einem "Kneel-in" dabei. Im American Football hatte Profispieler Colin Kaepernick 2016 mit einer ähnlichen Geste eine Protestwelle gegen Unterdrückung von Schwarzen und gegen Polizeigewalt in den USA gestartet.

Foxx, der vorige Woche schon in Minneapolis demonstriert hatte, forderte seine "Hollywood-Freunde" zu mehr Taten auf. Sie müssten auf die Straße gehen, um den Schmerz der Menschen zu verstehen, statt von Zuhause zu tweeten oder SMS-Botschaften zu verschicken. Dem Aufruf von Foxx sind viele Promis zuvorgekommen. Schauspielerin Ellen Page teilte am Montag ein Video von einem friedlichen Protest am New Yorker Time Square, Paris Jackson trug am Wochenende ein Schild mit der Aufschrift "Frieden, Liebe, Gerechtigkeit" durch die Straßen von Los Angeles. "Wir haben in Beverly Hills und West Hollywood gesungen", schrieb Sängerin Ariana Grande über ihre Protest-Erlebnisse.

Stars berichten von Übergriffen

Andere Stars berichteten von Übergriffen der Polizei, die sie am Rande friedlicher Demos erlebt hätten. Sie sei bei Protesten in Los Angeles von Gummigeschossen und Tränengas getroffen worden, schrieb Sängerin Halsey auf Twitter. Dazu verlinkte die 25-Jährige Videos und Fotos zu dem "Horror" auf den Straßen, die Demonstranten dort erlebt hätten. Sie habe viel Blut gesehen und Verletzen geholfen. Schauspieler John Cusack (53) postete auf Twitter verwackelte Bilder von einer Demo in Chicago, auf dem bedrohliche Brüllerei zu hören ist. "Die Cops mochten es nicht, dass ich ein brennendes Auto filme, daher kamen sie mit Schlagstöcken auf mich zu", schrieb Cusack auf Twitter. Sie seien auf sein Fahrrad losgegangen.

Selten haben sich so viele Promis unterschiedlichen Alters, Hautfarbe und Herkunft geschlossen und lautstark hinter eine Sache gestellt, von Justin Bieber, Arnold Schwarzenegger, Celine Dion, Jennifer Lopez, John Legend bis Beyoncé. Der gemeinsame Tenor ist Empörung über Polizeibrutalität, Missachtung von Bürgerrechten und die Benachteiligung von Minderheiten.