Berlin (dpa) l Seit einem Monat ruht das öffentliche Leben in Deutschland. Am heutigen Mittwoch beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder über Wege zurück Richtung Normalität. Als „sehr wichtig“ für das weitere Vorgehen hatte Merkel die Empfehlungen der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina bezeichnet. Diese werden nun breit diskutiert.Vor allem die Frage, wie es an Schulen und Kitas weitergeht, interessiert Millionen Menschen. Die Politik steht hier vor schwierigen Entscheidungen. Ein einfaches „Richtig“ oder „Falsch“ für den Wiedereinstieg gibt es nicht.

Wann könnten die Schulen wieder aufmachen?

Nordrhein-Westfalen stellte am Dienstag als erstes Bundesland einen konkreten Zeitplan in Aussicht: Nach der aktuellen Osterferienwoche sollen die Schulen schrittweise wieder öffnen.

Die Experten der Leopoldina hatten kein konkretes Datum genannt, aber eine Rückkehr in die Klassen „sobald wie möglich“ empfohlen. Begründung: Die Krise habe zu einem „massiven Rückgang der Betreuungs-, Lehr- und Lernleistungen sowie zur Verschärfung sozialer Ungleichheit geführt“. Zuerst sollten demnach die Grundschulen und die Sekundarstufe I – der Bereich bis zur neunten und zehnten Klasse - wieder schrittweise öffnen.

Warum sollen zuerst die Kleineren wieder zur Schule?

Die Leopoldina begründet das damit, dass Ältere „die Möglichkeiten des Fernunterrichts“ besser nutzen könnten, weshalb die Rückkehr „zum gewohnten Face-to-Face-Unterricht“ in höheren Stufen des Bildungssystems beispielsweise an Gymnasien weiter hinausgeschoben werden könne. Vor allem jüngere Schüler seien außerdem auf Unterstützung und Anleitung angewiesen, und berufstätige Mütter und Väter können kleinere Kinder nur schlecht alleine zu Hause lassen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) regt dagegen an, die Schulen lieber zuerst wieder für höhere Jahrgänge zu öffnen, weil Jugendliche Abstandsregeln besser einhalten könnten. Der Deutsche Lehrerverband plädierte ebenfalls dafür.

Gilt das auch für Kitas?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält die Empfehlungen der Leopoldina zur Wiederöffnung der Kitas und Schulen „nur bedingt hilfreich“ und „wenig praktikabel“. Die Experten hatten zum Wiedereinstieg bei den Kitas Kleingruppen mit maximal fünf Kindern pro Raum empfohlen. Zuerst könnten die größeren Kinder – Fünf- bis Sechsjährige – wieder in die Kita, da Kleinere sich nicht an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen hielten. Für die „jüngeren Jahrgänge“ sollten die Kitas daher bis zu den Sommerferien im Notbetrieb bleiben, so die Empfehlung.

Auch hier preschte Nordrhein-Westfalen vor. Kinder, die kurz vor der Einschulung stehen, werden voraussichtlich in der übernächsten Woche wieder in die Kitas gelassen.

Wie soll der Unterricht aussehen?

An den Grundschulen wird empfohlen, zuerst die älteren Schüler wieder zu unterrichten, in kleinen festen Lerngruppen mit maximal 15 Schülern, zeitversetzt und mit Fokus auf die Schwerpunktfächer Deutsch und Mathematik. Auch die Pausen sollen zeitversetzt sein. „Der Schulhof darf nicht zum Austauschort für Viren werden.“

Welche Fragen stellen sich noch?

Vor allem die nach dem Infektionsschutz: Wie werden Ausnahmen gestaltet für Lehrer und Schüler, die einer Risikogruppe angehören? Wie wird der Schülertransport organisiert? Der Bildungsforscher Hans Brügelmann bringt es auf den Punkt: „Jede Entscheidung zur Wiedereröffnung der Schulen ist ein gesellschaftliches Experiment mit erheblichen Risiken. Das gilt aber auch für eine sehr lange Fortführung der Schulschließungen. (...) Es wird – so oder so – Leidtragende geben, wie immer die Politik entscheiden wird.“