Berlin (dpa) l Die Aktivistin mit Down-Syndrom Natalie Dedreux spricht sich gegen die Trisomie-Bluttests aus: „Wir wollen nicht mehr abgetrieben werden“, sagte sie im Interview mit Dlf-Moderatorin Christiane Kaess. „Wir sind supercool drauf.“

Christiane Kaess: Warum willst du bei der Debatte im Bundestag dabei sein?
Natalie Dedreux: Ich will nicht, dass der Bluttest von den Krankenkassen jetzt sofort bezahlt wird, weil es sonst weniger Menschen mit Down-Syndrom auf der Welt gibt. Das Down-Syndrom ist ja auch keine Krankheit, sondern etwas Besonderes, und wir sind auch nicht krank, wir sind fast so, wer wir sind, von der Geburt schon an so, und ich habe jetzt einen Freund, der Niko heißt, und der hat auch ein Down-Syndrom. Wenn ich mir das Leben von meinem Freund angucke, dann habe ich gemerkt, dass das total cool wird, zusammen eine Beziehung zu führen. Deshalb setze ich mich für Menschen mit Down-Syndrom ein.

Was würdest du den Abgeordneten gern sagen?
Also ich würde ihnen sagen, wir wollen nicht mehr abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben, und die Politiker sollen machen, dass die Krankenkassen den Bluttest von Down-Syndrom nicht bezahlen. Ich persönlich würde mein Kind auch nicht einfach so abtreiben, nur weil es Down-Syndrom hat. Ich würde ihm ein herzliches Willkommen auf der Welt geben und mich auch da drüber freuen, dass ich ein Kind habe, das die Geburt auch überlebt hat.

Du hast ja auch eine Petition dazu geschrieben. Wie kam es dazu?
Ich habe die Petition deswegen gestartet, weil die Krankenkassen den Bluttest tun möchten, und ich will die Politiker drauf ansprechen, dass die entscheiden, da drüber sprechen in der Debatte und auch in dem Bundestag da drüber sprechen miteinander. Außerdem bin ich auch ein bisschen berühmt, weil ich mich viel einsetze, und ich erreiche mehr Menschen als andere. Ich will auch meinem Freund damit helfen, und den Menschen mit Down-Syndrom soll es auch gut gehen.

Was glaubst du, was kannst du bewirken, wenn du mit Politikern über ihre Meinung zum Bluttest sprichst?
Ich hoffe, dass die mir natürlich zuhören. Sie sollen auch sehen, dass wir, die das Down-Syndrom haben, cool drauf sind, und kann auch etwas da drunter leisten. Ich habe auch einen Instagram-Account, damit die Menschen auch sehen, wie cool ich drauf bin im Alltag, damit die weniger Angst vor uns Menschen mit Down-Syndrom haben.

Was würdest du denn gern Menschen sagen, die erfahren, dass das Kind, das sie bekommen, das Down-Syndrom hat?
Also da kann ich dazu sagen, dass die keine Angst erst mal haben müssen. Wir tun ja nichts, und wir können auch nichts dafür, dass wir das Down-Syndrom haben.

Was wünschst du dir denn von den Menschen, mit denen du zu tun hast?
Die Menschen sollen einfach nett zu mir sein. Ich mag auch nicht, wenn meine Kollegen mit Down-Syndrom andauernd angeguckt werden und auch angestarrt werden. Wir sind ganz normal und einfach supercool drauf.