Marseille (dpa) l Mehr als 600 Menschen sind nach Angaben von Hilfsorganisationen in den vergangenen vier Wochen im Mittelmeer ertrunken. Diese Tragödien hätten sich ereignet, weil keine Rettungsboote von Nicht-Regierungs-Organisationen mehr unterwegs seien, teilte SOS Mediterranee am Donnerstag mit. "Europa trägt die Verantwortung für diese Toten", erklärte Sophie Beau, Vize-Präsidentin der Hilfsorganisation.

Die politische Entscheidung, die Häfen für im Meer gerettete Personen zu schließen, habe zu noch mehr Toten auf dieser ohnehin lebensbedrohlichen Fluchtroute geführt. Die Regierungen Europas müssten sofort dafür sorgen, dass die Gesetze zur Seenotrettung eingehalten würden.

Rettungsschiffe von vielen Hilfsorganisationen dürfen derzeit nicht mehr im Mittelmeer nach ertrinkenden Migranten suchen. Mehrere Schiffe sind in europäischen Häfen festgesetzt. Vor allem die populistische italienische Regierung fährt seit ihrem Amtsantritt vor einem Monat eine harte Linie gegen Migranten. Auch Malta sieht sich bei der Rettung der Menschen nicht in der Pflicht. Trotzdem steigen weiter viele Flüchtlinge an Libyens Küsten in nicht seetüchtige Boote, um nach Europa zu gelangen.