Teheran/Tokio (dpa) l Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman hat der Iran jegliche Verantwortung von sich gewiesen. Die von US-Außenminister Mike Pompeo vorgebrachte Beschuldigung sei „lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich“, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Freitag. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere.

Die genauen Umstände der schweren Zwischenfälle blieben zunächst weiter mysteriös. Der japanische Betreiber eines der Schiffe bestritt, dass der Tanker von einem Torpedo getroffen wurde. Es habe zwei Angriffe im Abstand von einigen Stunden gegeben, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo in Tokio. Die Crew der „Kokuka Courageous“ habe vor der zweiten Explosion ein „fliegendes Objekt“ gesehen, das auf sie zugesteuert sei, erklärte er weiter.

Schiff hat Methanol geladen

Das Schiff hat Methanol geladen und wird von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) gemanagt. Die 21-köpfige Crew sei auf den Tanker zurückgekehrt, teilte BSM in Singapur mit. Das Schiff soll nun in den Hafen Chaur Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emriaten geschleppt werden.

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Tanker schwer beschädigt worden. Das zweite der beiden Schiffe, die „Front Altair“ einer norwegischen Reederei, geriet nach Explosionen in Brand. Die norwegische Seefahrtsbehörde sprach von einem Angriff.

Die USA beschuldigten den Iran, hinter den mutmaßlichen Angriffen zu stecken. Das US-Militär veröffentlichte ein Video, das die iranischen Revolutionsgarden belasten soll. Das US-Zentralkommando Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, teilte mit, das Video zeige, wie ein Boot der Revolutionsgarden auf den Tanker „Kokuka Courageous“ zufahre. Die Menschen an Bord des iranischen Schnellbootes vom Typ „Gaschti“ seien dabei „beobachtet und aufgenommen“ worden, wie sie eine nicht explodierte Haftmine wieder vom Schiffskörper entfernten. US-Präsident Donald Trump hat bekräftigt, dass die USA den Iran für den Urheber der mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman hält. „Sie haben es getan“, sagte Trump gegenüber Fox News. Und er fügte hinzu: „Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben.“

Sabotage-Diplomatie der USA?

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA seinerseits vor, die Öltanker-Vorfälle als Vorwand zu nehmen. „Mit einem Fetzen an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt ... damit ist klar, dass das amerikanische B-Team auf Plan B und auf Sabotage-Diplomatie umgeschaltet hat“, schrieb Sarif auf Twitter. Mit dem B-Team meint Sarif die Mannschaft von US-Sicherheitsberater John Bolton, der nach Ansicht Teherans einen Regimewechsel im Iran plant und dafür sogar einen militärischen Konflikt provozieren würde. Schon zuvor hatte der Iran angedeutet, dass die USA und ihre Alliierten selber für die Angriffe verantwortlich sein könnten und sie nun Teheran in die Schuhe schieben wollten.

Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe, sprach von „Terroroperationen“. Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind, verschärft seit Wochen den Ton gegenüber Teheran. Es wirft dem Iran vor, sich in die Angelegenheiten arabischer Länder einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Die Ölpreise legten gestern zu. Der Auswärtige Dienst der EU schließt sich den US-amerikanischen Schuldzuweisungen gegen den Iran vorerst nicht an. „Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln“, sagte gestern ein ranghoher EU-Beamter. Man habe es mit einer komplexen Situation zu tun und könne zum derzeitigen Zeitpunkt nur dazu aufrufen, größtmögliche Zurückhaltung walten zu lassen, Provokationen zu vermeiden. Er verwies darauf, dass es wohl am Montag bei einem EU-Außenministertreffen Gespräche zum Thema geben werde.

China als Streitschlichter

Die UN-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf. „Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion“, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern. Die Sicherheit der Schifffahrt in den betreffenden Seegebieten müsse gewahrt werden