London/Teheran (dpa) l Der Iran muss in der Tankerkrise mit britischen Strafmaßnahmen rechnen. Die Regierung prüft nach Angaben von Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood eine „Reihe von Optionen“ und will diese heute bekanntmachen. Seit die iranischen Revolutionsgarden einen Ölfrachter unter britischer Flagge in ihrer Gewalt haben, schaukelt sich der Konflikt hoch. US-Präsident Donald Trump will sich eng mit Großbritannien abstimmen und schickt zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien. Außenminister Heiko Maas (SPD) befürchtet den Ausbruch eines Krieges in der Region.

Großbritannien prüft Maßnahmen

Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten angesichts des ungelösten Brexits und des Rücktritts der konservativen Regierungschefin Theresa May. Vermutlich der in der eigenen Partei umstrittene frühere britische Außenminister Boris Johnson übernimmt am kommenden Mittwoch Mays Posten.

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb gestern beim Kurznachrichtendienst Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. „Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet“, so der Diplomat.

Da der Tanker in den Gewässern des Omans gestoppt worden sei, sprach die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt von einer „feindlichen Handlung“. Ihr Kabinettskollege, Außenminister Jeremy Hunt, schrieb auf Twitter davon, dass der Iran einen „gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens“ beschreite. Dem Sender Sky News sagte Hunt: „Wir sind absolut deutlich, dass es sehr ernste Konsequenzen geben wird, wenn diese Situation nicht schnell gelöst wird.“ Militärische Vergeltung schloss Hunt aber erst einmal aus.

Maas sieht Kriegsgefahr

Für Außenminister Maas ist die Lage am Golf „noch ernster und gefährlicher geworden“ als ohnehin schon. Maas sagte der „Bild am Sonntag“: „Es geht darum, Krieg zu verhindern.“ Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es „keine Gewinner, nur Verlierer“. Der Oman drängt Großbritannien und den Iran zu einer diplomatischen Lösung. Man stehe mit mehreren Seiten in Kontakt, um die sichere Fahrt der Schiffe durch die Straße von Hormus zu garantieren, twitterte das omanische Außenministerium. Anders als die restlichen Golfstaaten pflegt der Oman gute Beziehungen zum Iran.

Der Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch das Nadelöhr verschifft.

USA verstärken Truppenpräsenz

Ausgangspunkt der Eskalation des Konflikts ist der 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker „Grace 1“ mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Das Fahrverbot gilt bis zum 20. August.

„Anders als die Piraterie in der Straße von Gibraltar dient unsere Maßnahme im Persischen Golf dazu, die maritimen Regeln zu bewahren“, so Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Großbritannien müsse aufhören, „ein Zubehör des Wirtschaftsterrorismus der USA“ zu sein.

Irans Revolutionsgarden hatten am Freitag den unter britischer Flagge fahrenden Tanker „Stena Impero“ gestoppt und in den südiranischen Hafen Bandar Abbas Richtung Küste gebracht.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien – dem Erzfeind des Irans – zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region.