Berlin (js/dpa) l An zwei Frauen ist Friedrich Merz in seinem bisherigen politischen Leben gescheitert. Angela Merkel verdrängte ihn 2002 nach der verlorenen Bundestagswahl vom Unionsfraktionsvorsitz. Ende 2018 unterlag Merz Annegret Kramp-Karrenbauer knapp im Kampf um den CDU-Vorsitz. Jetzt sieht er eine neue Chance.

Der berühmte Bierdeckel

Dass es mit Armin Laschet und Norbert Röttgen mindestens zwei starke Mitbewerber gibt, stört den selbstbewussten Sauerländer nicht. Das sei Demokratie. Und Wettbewerb tue der CDU gut, betont er. „Ich spiele hier auf Sieg, und nicht auf Platz.“

Seine politische Laufbahn begann er 1989. Erst EU-Parlament, dann Bundestag. Merz positionierte sich früh als Wertkonservativer. Der gute Redner galt rasch als Hoffnungsträger, inhaltlich profilierte er sich als Finanzexperte.

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2003 forderte er eine radikale Vereinfachung des Steuersystems mit nur noch drei Stufen: 12, 24 und 36 Prozent. Berühmt wurde sein Satz: Jeder Bürger sollte seine Einkommenssteuer auf einem Bierdeckel ausrechnen können. Doch mit dem wirtschaftsliberalen Kurs scheiterte die CDU. 2005 schrammte sie bei der Bundestagswahl nur knapp an einer Niederlage vorbei. Danach zog sich Merz recht schnell aus der Politik zurück. Er kümmerte sich um seine Anwaltskanzlei und ging in viele Aufsichtsräte. So wurde er beim amerikanischen Vermögensverwalter Blackrock Aufsichtsratschef in Deutschland. Das ist nicht unumstritten. Den Posten will er Ende März abgeben.

Nachdem Merkel ihren Rückzug von der Parteispitze angekündigt hatte, kehrte Merz auf die politische Bühne zurück. Doch im Dezember 2018 verlor er in der Stichwahl um den CDU-Vorsitz gegen Annegret Kramp-Karrenbauer – wenn auch äußerst knapp. Vor allem die Ost-Landesverbände hatten für Merz votiert. Ihm wird zugetraut, die AfD zurückzudrängen, die der CDU im Osten das Leben schwer macht. Auch nach seiner Niederlage blieb er Hoffnungsträger. Merz selbst gab den Kampf um Macht und Kanzlerschaft nie auf. Im Herbst 2019 nannte er das Erscheinungsbild der Bundesregierung „grottenschlecht“.

Muttis Klügster

Die größte Überraschung gelang Norbert Röttgen. Während alle auf Merz, Spahn und Laschet schauten, schmiss der Außenpolitiker für viele unerwartet den Hut in den Ring. Röttgen ist bekannt für präzise Analysen und klare Rhetorik. Er setzt sich in dieser Hinsicht von vielen Politikern ab.

Lange Zeit war er enger Vertrauter Merkels. Das gefiel nicht jedem. Einige in der CDU nannten ihn abschätzig „Muttis Klügsten“. 2009 wurde er Umweltminister. Im Gegensatz zu Merz sah er die Atomkraft kritisch und stützte 2011 tatkräftig Merkels Schwenk in der Energiepolitik. Nach der Nuklearkatastrophe in Japan beschloss Deutschland nun endgültig den Ausstieg aus der Kernkraft. Zum Bruch mit Merkel kam es 2012. Das Ganze hatte ein Vorspiel. 2010 schien Röttgen eine Karriere in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen anzustreben. Im Kampf um den Landes-CDU-Vorsitz wagte er ein Duell. Sein Gegner damals: Armin Laschet. Röttgen gewann.

 Die Landtagswahl zwei Jahre später aber verlor er krachend gegen Hannelore Kraft (SPD). Etliche in Berlin hatten erwartet, dass Röttgen nach der Pleite den Ministersessel verlässt und auf die harten Oppositionsbänke in Düsseldorf wechselt. Doch das wollte er nicht. In der Union kam es zu einer harten Kontroverse. Merkel entließ Röttgen. Dies war erst der zweite Minister-Rausschmiss durch eine Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik. Röttgen profilierte sich danach in der Außenpolitik, er leitet seit 2014 den Auswärtigen Ausschuss im Bundestag. Röttgen betont die Distanz zu Putins Politik; die Annexion der Krim hat er scharf kritisiert.

Am 18. Februar meldete Röttgen seine Kandidatur an. Er störte damit die „Hinterzimmer-Runden“ der Parteiführung. Röttgen monierte, dass die bisherige Chefsuche zu wenig Inhaltliches biete. Er legte ein Sieben-Punkte-Programm vor. Dazu zählen die Abgrenzung seiner Partei zu AfD und Linkspartei; eine Debatte über eine drohende Flüchtlingswelle aus Syrien. Röttgen will – wie auch Laschet - ein eigenes Team präsentieren. Er kündigte an, eine Frau in seine Mannschaft zu holen.

Die Herrenrunde hat eines gemeinsam: Alle Drei stammen aus Nordrhein-Westfalen. Zu ihr gehört auch der oberste Repräsentant des größten Bundeslande: Armin Laschet.

Raus aus der GroKo

Zäh, ohne große Pose und vielleicht auch deshalb oft unterschätzt ist Laschet auf der politischen Karriereleiter nach oben geklettert. Der Bergmannssohn aus Aachen kann kämpfen und wirft auch nach schmerzhaften Niederlagen nicht hin – im Gegensatz zu Röttgen. Mit „Maß und Mitte“ hat er seinen Regierungskurs umrissen – vor allem beim Kohleausstieg. Laschet wirbt im Bund für andere Koalitionen als Schwarz-Rot. Obgleich die Zeichen auf Schwarz-Grün stehen, sieht er ein Bündnis mit der FDP wie in seinem Bundesland als mögliches Modell.

Laschet, einst erster Integrationsminister von NRW, steht für eine liberale Ausländerpolitik ohne Schaum vor dem Mund. In den Ost-CDU-Verbänden hat er einen schweren Stand, da er als Merkel-nah gilt und ihm nicht die nötige Härte zugetraut wird, die AfD zwischen Ostsee und Thüringer Wald entscheidend zu schwächen.