New York (dpa) l Greta Thunberg hat Tränen in den Augen, ihre Stimme ist brüchig. „Wie könnt Ihr es wagen!“, schleudert die 16-Jährige den Dutzenden Staats- und Regierungschefs in der voll besetzten Halle der UN-Vollversammlung mehrfach entgegen. „Ich sollte hier nicht sein, ich sollte zurück in der Schule sein auf der anderen Seite des Ozeans.“ Thunberg sitzt vor den Mächtigen der Welt. Und Thunberg liest ihnen die Leviten, wie es auf dieser Bühne wohl noch nie geschehen ist.

Die Schülerin ruft den Mächtigen entgegen, sie seien „nicht reif genug“ für die Wahrheit: „Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?“ Immer wieder brandet Applaus auf von denen, die Thunberg gerade angreift. Ihre Worte sind kaum verklungen, da öffnet sich die Tür und der Überraschungsgast des Tages tritt in den Saal: Donald Trump, der den Klimawandel immer wieder infrage stellt, setzt sich. Pünktlich zur Rede von Merkel ist er da. Thunberg hat das Podium schon verlassen. Trump hatte ursprünglich gar nicht geplant, den Gipfel zu besuchen. Er bleibt auch nur für eine knappe Viertelstunde.

Den Klimawandel hat Trump in der Vergangenheit als einen „Scherz“ bezeichnet. Im Jahr 2012 – also noch weit vor seinem Amtsantritt 2017 – warf er den Chinesen vor, das Konzept der Erderwärmung erfunden zu haben, um die US-Industrie im internationalen Wettbewerb zu schwächen. Mehrfach hat er außerdem Wetter mit Klima verwechselt. Es ist, als ob Merkel genau Trump meint, als sie beim Gipfelauftakt ihren Kolleginnen und Kollegen ins Gewissen redet: „Es gibt keinen Zweifel, dass der Klimawandel, die Erderwärmung im Wesentlichen von Menschen gemacht ist.“ Den Namen des US-Präsidenten spricht sie nicht aus. Doch auch bei ihrem direkt darauf folgenden Bekenntnis zum gemeinsamen weltweiten Handeln dürfte sie Trump im Visier gehabt haben. Die Erderwärmung sei „eine globale Herausforderung, die nur gemeinsam bewältigt werden kann, denn wir haben alle nur eine Erde“, mahnt Merkel eindringlich. Gleich zu Beginn ihrer kurzen Ansprache nimmt die Kanzlerin die leidenschaftlichen Worte Thunbergs auf, sagt: „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört.“ Merkel ist beeindruckt davon, wie zielstrebig Thunberg ihre Ziele verfolgt. Das Drängen der jungen Menschen habe vieles vorangebracht auch in Deutschland.

Zum Abschluss ihrer Rede sagt Merkel dann noch, Deutschland stehe wegen des Kampfs gegen die Erderwärmung vor einem tiefgreifenden Wandel, bei dem man die Menschen durch Anreize mitnehmen müsse. Aufgabe jeder Regierung sei es, „alle Menschen mitzunehmen“.