Washington/Magdeburg l Um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird Donald Trump an diesem Freitag auf den Stufen des Kapitols in Washington den Amtseid ablegen und anschließend eine etwa 20-minütige Rede halten. Nicht nur Millionen Amerikaner werden die Amtseinführung gebannt verfolgen – die ganze Welt fragt sich, wie der milliardenschwere Geschäftsmann Trump künftig die Weltmacht USA anführen will.

Begleitet werden die Feierlichkeiten von Protesten. 99 Organisationen haben allein in Washington Kundgebungen und Märsche angekündigt. Am Sonnabend wollen 200.000 Frauen auf die Straße gehen, um für ihre Rechte zu demonstrieren – es dürfte die größte Kundgebung in den USA seit Jahren werden.

Trump, der Geschäftsmann

Mit gemischten Gefühlen blickt auch Sachsen-Anhalt in die USA. „Wenn Trump nun die Nato infrage stellt und die Europäische Union für eine sterbende Organisation hält, dann besorgt mich das sehr“, sagt der Magdeburger Politikwissenschaftler Wolfgang Renzsch im Volksstimme-Interview. Trump ticke offenbar wie ein Geschäftsmann, der hart verhandelt, von Bündnissen aber nicht viel hält. „Wenn man so in den internationalen Beziehungen vorgeht, in Fragen, wo es um Krieg und Frieden geht, dann kann das gefährlich werden“, warnt Renzsch.

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Besorgt ist auch die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Mit seiner Ankündigung, Strafzölle im Zweifelsfall auch gegen deutsche Firmen zu erheben, hat Trump zuletzt für Verunsicherung gesorgt. „Für unsere exportorientierten Unternehmen sind Freihandels- und Klimaabkommen zentrale Themen“, betont Klaus Olbricht, Präsident der Magdeburger Industrie- und Handelskammer. „Ich hoffe, dass diese von der neuen US-Regierung nicht aufs Spiel gesetzt werden.“

USA drittwichtigster Exportmarkt

Die USA sind für hiesige Firmen der drittwichtigste Exportmarkt, allein in den vergangenen vier Jahren haben die Firmen ihre Exporte um 57 Prozent gesteigert. Zuletzt wurden Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro über den Atlantik exportiert. Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident Klemens Gutmann hofft, dass Trump als Präsident anders auftreten wird als in Wahlkampfzeiten. „Bislang gab es vor allem große Töne, jetzt muss man schauen, was tatsächlich in der Praxis ankommt.“

Reint Gropp, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), meint, dass Trump grundsätzlich schon beim Wort genommen werden muss. Allein die Unsicherheit, die er bereits erzeugt habe, dürfte sich negativ auf die Wirtschaft auswirken. „Unsicherheit führt fast immer dazu, dass Verbraucher weniger konsumieren und Unternehmen große Investitionen aufschieben.“

Trumps Drohung mit Strafzöllen kann Gropp auch insofern nicht nachvollziehen, weil der US-Präsident langfristig seiner eigenen Wirtschaft schaden würde. „Die US-Firmen hätten weniger Anreize, effizienter zu produzieren, und würden im internationalen Vergleich weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.“ Gropp warnt aber nicht nur vor Trumps Protektionismus. Auch dessen Energiepolitik könnte sich negativ auf deutsche Firmen auswirken. „Schon jetzt sind die Energiepreise in den USA niedriger als in Europa – wenn Trump dafür sorgt, dass sie noch weiter fallen, dann können vor allem die energieintensiven US-Firmen deutlich günstiger produzieren als hierzulande.“

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