Kolkata l Immer mehr Spinner, Gurus, Reichsbürger oder sonstige Mitbürger, die sich in eine sehr eigene Realität geflüchtet haben, tauchen auch vor Gericht auf. Die Gefahr ist groß, dass sie auf Richter treffen, die nicht das nötige Einfühlungsvermögen haben, das geltende Recht in fiktiven Welten abwägend ins Urteil einfließen zu lassen.

In Indien, wo seit jeher das Mirakulöse, Transzendente und Irreale kuhgleiches Ansehen genießt, hat man Abhilfe geschaffen. Zumindest an einer indischen Universität für Rechtswissenschaften in der Stadt Kolkata. Denn dort bietet ein Assistenz-Professor eine Jura-Vorlesung mit Harry-Potter-Inhalten an. Ab Dezember bietet der Juniorprofessor eine Veranstaltung an, in der die Studenten darüber diskutieren, ob Zaubersprüche, Flüche und Standesregeln für Hauselfen rechtmäßig sind.

Der offizielle Titel der Vorlesung lautet: „Fiktionale Fantasy-Literatur und Recht.“ Ziel der Vorlesung soll sein, die Studenten zum Querdenken anzuregen. Der Dozent Shouvik Kumar Guha will in seinem Seminar deswegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der fiktiven Buchreihe und Indiens juristischer Realität diskutieren.

Das Angebot umfasst Themen wie „Unauflösbare Gelübde“ und „Kräfte des Guten oder Diener des Bösen“. Aber in Indien und auch hierzulande ist in der Realität manches komplizierter als in der Fiktion, wo die „Diener des Bösen“ leicht auszumachen sind. In Wirklichkeit wissen wir nur eines ganz genau: Es sind auf jeden Fall die anderen, Herr Richter!