Magdeburg l Jede Krisen-Zeit hat ihre Parallelwährung. Die im Allgemeinen weit mehr wert ist, als das eigentliche Geld. In der DDR aufgewachsene Leser erinnern sich an: Fliesen, Zement, Westschallplatten. Corona adelte in rasantem Wechsel Klopapier, Desinfektionsmittel, Schutzmasken – und jetzt Frieseurtermine.

Okay, selbst in der realsozialistischen Mangelwirtschaft war ein Leben ohne Fliesen, Zement oder Westschallplatten zwar nicht besonders erstrebenswert, aber durchaus möglich. Die Sache mit Klopapier, Desinfektion und Mundschutz haben wir auch solide durchgestanden. Aber selbst mit wuchernder Beethoven-Mähne ist ein zeitnaher Termin beim Coiffeur des Ver- oder selbst Misstrauens nicht zu kriegen. Es sei denn, man ist, zum Beispiel, Ministerpräsident.

Sogar verzweifelte Inserate à la „suche vernünftige Frisur, biete Westschallplatten, Zement und Fliesen“ führen aktuell zu gar nichts. An dieser Stelle kann ich nicht weiterschreiben - sehe vor lauter Wucher-Frisur die Tastatur nicht mehr.