Berlin (dpa/mf) l Die Namen bleiben in Erinnerung. Inga, Rebecca. Maddie. Manuel. Und viele andere. Es sind Kinder und Jugendliche, die verschwunden sind und vermisst werden. Manche wie Rebecca aus Berlin seit wenigen Monaten. Andere wie Inga aus Schönebeck seit einigen Jahren oder wie Maddie aus England seit mehr als einem Jahrzehnt. Zum Tag der vermissten Kinder rücken zahlreiche Fälle wieder ins Bewusstsein.

Die fünfjährige Inga wollte im Mai 2015 beim Besuch eines abgelegenen Heims bei Stendal mit anderen Kindern im Wald Holz suchen. Sie verschwand spurlos von dem Gelände. Mehr als 2000 Hinweise gingen ein, doch ein entscheidender war bisher nicht dabei. Joachim Albrecht von der Polizeiinspektion Stendal erklärt: „Für uns ist der Vermisstenfall immer noch aktuell, und wir gehen auch weiter den noch vereinzelt eingehenden Hinweisen nach.“ Allen Spuren sei akribisch nachgegangen worden. Bisher ohne Erfolg.

48 Mädchen und Jungen, die möglicherweise entführt und ermordet wurden, hat die private Hamburger „Initiative Vermisste Kinder“ auf einer Landkarte im Internet eingezeichnet und mit Informationen verlinkt. Die orangefarbenen Punkte verteilen sich über ganz Deutschland. „Wir nehmen vor allem Fälle auf, bei denen sich Verwandte oder die Polizei an uns wenden“, sagt Lars Bruhns, dessen Mutter die Beratungs- und Anlaufstelle 1997 gegründet hat. Wie beim zwölf Jahre alten Manuel aus Berlin, der 1993 von zu Hause zu einem Freizeitzentrum wollte. Dort kam er nie an. Oder bei der zehnjährigen Hilal, die 1999 in Hamburg die Wohnung ihrer Eltern verließ und zuletzt in einem Einkaufszentrum gesehen wurde.

Wie viele Kinder weder lebendig noch tot gefunden wurden, ist nicht einfach zu klären. Jedes Jahr werden viele tausend Menschen als vermisst gemeldet. 2018 waren es laut dem Bundeskriminalamt (BKA) allein 12.762 Fälle von Kindern, von denen rund 97 Prozent aufgeklärt wurden.

Übrig bleiben seit 1951 etwa 2000 ungeklärte Fälle vermisster Kinder in der Kategorie „Vermisste/Unbekannte Tote“. Mehr als die Hälfte davon sind laut BKA Ausreißer oder unbegleitete Flüchtlinge, die selbständig unterwegs sind. In fast 70 Jahren sind das also jedes Jahr bis zu 14 ungeklärte Vermisstenfälle von Kindern bis 13 Jahren.