Aurich (dpa) l  Ein Autounfall mit Verletzten, ein Notfallpatient in der Wohnung oder ein Terroranschlag – und innerhalb von 10 oder 15 Minuten muss Hilfe am Ort sein: Für Besatzungen von Rettungswagen sorgt dieser gesetzliche Auftrag im dichten Verkehr vieler Städte oft für Stress. Etwas entspannter läuft es seit einem Jahr im ostfriesischen Aurich: Dort macht eine Grüne Welle an den Ampeln den Weg frei für zügige Fahrten zum Einsatzort. "Das System läuft ausgezeichnet und störungsfrei, die Kollegen sind schneller dort, wo sie gebraucht werden", zog Dieter Düvel beim Rettungsdienst des Landkreises Aurich eine erste Bilanz.

Vier Rettungs- und ein Notarztwagen nutzen bisher die Vorteile der Grünen Welle, die im April 2017 als bundesweites Modellprojekt in der Kreisstadt mit rund 42.000 Einwohnern eingerichtet wurde. Dort wird es an vier neuralgischen Punkten im Urlaubsverkehr zur Ferienzeit eng. Eine Rettungsgasse frei zu halten ist dort problematisch.

Rettungswagen passiert leere Kreuzung

Hier kommt die Grüne Welle ins Spiel: Eine spezielle Programmierung im Verkehrsrechner schaltet bestimmte Ampeln auf Grün, wenn sich ein Rettungswagen nähert und seine Position meldet. Im Idealfall ist die Kreuzung dann leer: Bis der Wagen die Engstellen passiert hat, muss der umliegende Verkehr stoppen.

Das System springt danach wieder auf den normalen Schaltzyklus zurück, damit wartende Autofahrer ihren Weg fortsetzen können. "Das schnelle Umschalten auf den Normalbetrieb klappt sehr gut, Bedenken bei der Planung über längere Wartezeiten haben sich nicht bestätigt", zeigte sich Düvel zufrieden.

Gute Erfahrungen in Aurich

Das Auricher Modellprojekt soll nach den guten Erfahrungen dauerhaft in Betrieb bleiben und könnte vielleicht später auf weitere Straßenzüge ausgeweitet werden. Dafür müssten aber ältere Ampelanlagen mit neuer Technik umgerüstet und an den Verkehrsrechner angeschlossen werden.

Ähnliche Systeme laufen inzwischen auch in anderen Städten wie Böblingen oder Heilbronn, in Wedel (Schleswig-Holstein) und demnächst in Flensburg wird zudem ein komplexeres System für die Feuerwehr getestet.

Bundesweite Forschungsprojekte

Schnelle Reaktion bei Unfällen, Bränden, Naturkatastrophen oder Terroranschlägen – mit diesen Aufgabenstellungen befassen sich inzwischen bundesweit mehrere Forschungsprojekte. "Die Anwendungen drehen sich von der optimierten Routenführung für Sondereinsatzkräfte über die Steuerung von Ampelanlagen bis zur Vernetzung und Kommunikation zwischen Fahrzeugen", sagte Diplomingenieur Tim Ruß vom Institut für Automation und Kommunikation in Magdeburg.

Das Bundesministerium für Verkehr fördert dort drei Jahre das Projekt Sirene. Es sieht die Beeinflussung von intelligenten Verkehrssystemen wie die Anforderung von Grünen Wellen für ganze Kolonnen von Rettungskräften vor und soll später in Braunschweig und Magdeburg zum Einsatz kommen. Letztlich könnte es auch in Krisenfällen die Mobilität für Rettungskräfte und der Bevölkerung unterstützen.