Tunis (dpa) l Die Mutter zweier Mädchen aus Hannover, die seit fast drei Jahren in Tunesien festgehalten werden, hofft auf eine baldige Rückkehr der Familie nach Deutschland. Am Sonntag hätten die Mutter und ihre neun und elf Jahre alten Töchter aber Tunesien noch nicht verlassen können, sagte die Tante der beiden Mädchen, Maria Szur, der Deutschen Presse-Agentur in Tunis. Man müsse in den kommenden Tagen noch einige Gespräche führen. Inzwischen sei das Außenministerium des nordafrikanischen Staates involviert.

Der Fall hatte sich am Sonntag zunächst dramatisch zugespitzt. Während eines Besuches der Mutter in der tunesischen Stadt Kasserine habe die ältere Tochter den Wunsch geäußert, nach Deutschland zurückzukehren, erzählte die Tante. Die beiden Mädchen wurden in Kasserine seit fast drei Jahren von der Familie des Vaters, Kais B., festgehalten. Er hatte die Kinder nach der Trennung von seiner Frau aus Hannover dorthin gebracht.

Der Mann sitzt seit zwei Jahren in Deutschland wegen Kindesentziehung im Gefängnis. Obwohl die Mutter aus Hannover sowohl von deutschen als auch tunesischen Gerichten das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen hatte, weigerte sich die Familie, die Kinder nach Deutschland zurückkehren zu lassen.

Ausreisegenehmigung nicht anerkannt

Als die Frau und ihre beiden Kinder am Sonntag versuchten, Tunesien zu verlassen, seien sie am Flughafen von Tunis an der Ausreise gehindert und festgesetzt worden. Zudem seien ihnen die Pässe abgenommen worden, erzählte die Tante, die ihre Schwester aus Hannover nach Tunesien begleitete. Die Behörden am Flughafen hätten die von einem tunesischen Gericht ausgestellte Ausreisegenehmigung vom Februar dieses Jahres nicht anerkannt.

Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, dass die Botschaft in Tunis mit den zuständigen Behörden in Kontakt stehe. Jedes Jahr werden nach Zahlen des Auswärtigen Amtes mehrere hundert Kinder Opfer einer internationalen Kindesentziehung.

2016 zählte das Bundesamt für Justiz 454 Fälle, in denen Kinder aus oder nach Deutschland entführt wurden oder ein Elternteil den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil verhinderte.