Brokeloh (dpa) | Sie steht an der Spitze der Macht und hat einen Auftrag: die Errettung des untoten Volkes. Die Frau namens Episcorpa ist die mächtigste Klerikerin des sogenannten "Untoten Fleisches". Louisa aus dem Ammerland verkörpert diese unsterbliche, furchterregende Figur bereits seit sechs Jahren auf dem "ConQuest of Mythodea", einem Live-Action-Rollenspiel (Larp) auf einem Rittergut bei Nienburg. Das Event findet dort schon zum 17. Mal statt.

"Die Episcorpa ist mit den Jahren immer stärker geworden", sagt die 33-Jährige, die im wirklichen Leben als Grafikerin arbeitet. Rund eine Stunde dauert es, bis sie ihr Gesicht geschminkt und sich in die düstere Figur der Priesterin verwandelt hat.

Schicksal von Mythodea lenken

Rund 8500 Teilnehmer aus aller Welt sind diesmal in das niedersächsische Dorf Brokeloh gereist. Ihre Aufgabe bei dem Fantasie-Rollenspiel ist es, Rätsel mit Kopf, Kampf und Geschick zu lösen, um das Schicksal des Mythodea genannten Kontinents in die eine oder andere Richtung zu lenken.

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"Die Handlung spielt in diesem Jahr auf einer kleineren Landmasse vor Mythodea, erklärt Stefan Max, Hauptautor für den Plot. Die untote Priesterin Episcorpa möchte das Land einnehmen, um einen Flottenstützpunkt aufzubauen. Dann könnten ihre Skargen, wikingerähnliche Räuber, besser das Festland angreifen.

So toben auf dem Schlachtfeld des beschaulichen Ritterguts heftige Kämpfe. Das "Schwarze Eis" – böse und finstere Krieger – läuft brüllend auf seine Widersacher und die "Armee des Zweifels" zu. Die Krieger wollen den blauen Kristall erobern. Mittendrin der Golem, ein gruseliges und seelenloses Wesen, das unter der Kontrolle eines Magiers steht.

Ruhe neben dem Schlachtfeld

Eher ruhig geht es dagegen in der Stadt namens Tross zu, die an das Schlachtfeld grenzt. Dort haben Händler und Handwerker ihre Zelte aufgeschlagen. Es gibt Tavernen, Schmuck, Rüstungen, Lederstände, Schneidereien, ein Fotoatelier, eine Knochenbrecherei, eine Alchimisten-Gilde und eine Wahrsagerin mit einer Kristallkugel. Die Bewohner lassen sich dort Drachenaugen, Lügenbrote, Barbarenspieße, ofenfrische Laibereien und Met schmecken. 

In der Armenmission finden vom Schicksal Geplagte Aufnahme. Bei Bruder Darius bleibt "kein Magen knurrend und keine Kehle dörrend", heißt es auf einem Plakat. Auch einen Galgen gibt es in der Stadt. Denn "Beutelschneider gehen umher" – das sind Diebe und Verbrecher, die sofort bei der Handelsgilde zu melden sind.

Manager organisiert Schwarzmarkt

Durch die Gassen zieht eine Bardentruppe mit einer Bauchtänzerin, gefolgt von einem Künstlermanager. An sich ein ehrenwerter Beruf, doch dieser Charakter organisiert den sogenannten Schattenmarkt. "Wir haben geheime Briefkästen installiert und ich verkaufe intellektuelle Schriften, um den Spielverlauf voranzutreiben", sagt Alexander, der den Manager mimt. Der 49 Jahre alte Österreicher arbeitet in seinem normalen Alltag für den europäischen Naturschutz. Im "ConQuest" ist er sehr auffällig gekleidet – genau das ist die Tarnung. "Ich agiere komplett im Licht, so offensiv, dass niemand darauf kommt, dass ich auf dem Schwarzmarkt aktiv bin", erklärt er.

Damit das Umfeld zu der Handlung passt, hat der Veranstalter Live Adventure Event mehr als 120 Tonnen Kulissen und mittelalterliches Equipment für das fünftägige Event auf dem Rittergut aufgebaut. Seinen Angaben zufolge ist es das weltweit größte interaktive Festival dieser Art und wird seit 2003 in Brokeloh gespielt.