Patientenschützer: Kontrolle staatliche Aufgabe

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat eine bessere Kontrolle der Transplantationsmedizin in Deutschland gefordert. „Die Prüfung des Transplantationssystems ist eine hoheitliche Aufgabe und muss kontinuierlich erfolgen“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) müsse diese Aufgabe dem staatlichen Robert-Koch-Institut übertragen. Brysch sagte, diese Überprüfung dürfe nicht privaten Organisationen wie der Bundesärztekammer, der Krankenhausgesellschaft oder dem GKV-Spitzenverband überlassen werden. Auch reiche der Prüfturnus von drei Jahren nicht aus.

Berlin (dpa) l An deutschen Transplantations- zentren sind zwischen 2010 und 2012 zum Teil systematisch Patientendaten manipuliert worden, um schneller an Spenderorgane zu kommen. Ärzte hätten unter anderem Medikamente verabreicht, um Patienten kränker erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich waren. Das geht aus dem Jahresbericht 2014/2015 der Prüfungs- kommission und der Überwachungs- kommission für Transplantationen hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach gab es beim Deutschen Herzzentrum Berlin sowie der Herzchirurgischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München – Campus Großhadern – „systematische Manipulationen und Auffälligkeiten“. An den Universitätskliniken Heidelberg, Jena und Köln-Lindenthal seien in der Prüfperiode „systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen“ festgestellt worden.

Nach Bekanntwerden des Transplantationsskandals 2012 ließ die Bereitschaft in der Bevölkerung spürbar nach, einen Spenderausweis auszufüllen. Erste Hinweise gab es damals in Göttingen, Regensburg und Leipzig, wo ebenfalls Patientendaten manipuliert wurden, um schneller an Organe zu kommen.

Vertrauensverlust wettmachen

Seither werden die Transplantationszentren schärfer kontrolliert. Träger von Überwachungskommission und Prüfungskommission sind die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Ärzteschaft ist intensiv bemüht, den Vertrauensverlust wieder wettzumachen.

Nach den Worten der Vorsitzenden der Prüfungskommission, Anne-Gret Rinder, waren finanzielle Vorteile der Ärzte in keinem der Fälle die Motivation zur Manipulation. Auch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass privat versicherte Patienten bevorzugt behandelt wurden. Die Ärzte könnten möglicherweise die Absicht verfolgt haben, die Zahl der Transplantationen in ihrer Klinik zu steigern und damit deren Bedeutung zu erhöhen, erklärte sie. Oder sie wollten einfach ihre Patienten retten.

Die Mitglieder der Kommissionen gehen davon aus, dass mit den schärferen Kontrollen die Manipulationen zurückgingen. Im Gegenteil stelle man heute fest, dass Ärzte verunsichert seien und eher mal nachfragten, wie sie sich im Einzelfall verhalten sollten, hieß es.

Die Prüfer haben in den vergangenen drei Jahren Unterlagen aller 46 Transplantationszentren beziehungsweise 126 Transplantationsprogramme auf Herz-, Lungen-, Leber-, Nieren- und Bauchspeicheldrüsen-Übertragungen für den Zeitraum 2010 bis 2012 durchgearbeitet. Bei der Feststellung des Hirntodes als Voraussetzung für eine Spende seien nach bisherigen Kenntnissen keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen.