Berlin (epd) l Im Diesel-Abgasskandal wächst der Druck auf Autohersteller und Behörden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) setzte am Donnerstag der Automobilindustrie ein Ultimatum bis Jahresende: „Wir wollen wissen, ob sie ab 2016 bereit ist, die für den US-Markt entwickelte Abgasreinigungstechnik freiwillig auch in deutsche Diesel-Pkw einzubauen.“ Andernfalls werde die Umwelthilfe im nächsten Jahr eine „absolute Anti-Dieselkampagne“ fahren, kündigte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch an. Fahrverbote für bestimmte Diesel-Pkw seien dann unausweichlich, sagte er unter Hinweis auf Klagen der DUH in 14 deutschen Städten auf Einhaltung der Emissionsgrenzwerte.

Gemeinsam mit weiteren Umwelt-, Verkehrs- und Verbraucherschutzverbänden forderte die Umwelthilfe am Donnerstag auch eine andere Zulassungspraxis für Pkw. In einem gemeinsam präsentierten Konzept schlagen BUND, Greenpeace, Naturschutzbund (Nabu) und Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Anlehnung an die US-amerikanische Praxis eine Kombination aus Herstellererklärung, unabhängigen Abgasmessungen im Straßenbetrieb und empfindlichen Strafen für die Autobauer bei Verstößen vor. Das bisherige Modell der Abgasmessungen in Prüfständen habe ausgedient, sagte der Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger: „Die tatsächlichen Emissionen werden in den Prüfständen nicht gemessen.“

Neue stichprobenartige Abgasmessungen

Zentraler Punkt sei, die Fahrzeuge künftig mit einem portablen Messgerät auf der Straße zu prüfen und sie aus der Bestandsflotte zu nehmen, sagte DUH-Verkehrsexpertin Dorothee Saar. Auch müssten die Prüfungen durch eine unabhängige Behörde wie das Umweltbundesamt (UBA) durchgeführt werden und nicht wie bisher durch die Zulassungsbehörde. Bedingung sei zudem, dass alle Messdaten offengelegt werden. Bislang hält das Kraftfahrzeugbundesamt Messdaten noch häufig unter Verschluss. Umgesetzt werden könne das neue Prüfverfahren innerhalb von zwei Jahren.

Auch die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, fordert neue stichprobenartige Abgasmessungen, um zu prüfen, ob die Grenzwerte auch von nachgerüsteten Autos im Fahrbetrieb eingehalten werden. Grundsätzlich sprach sich Krautzberger für eine grundlegende Neuorientierung in der Verkehrspolitik aus. Vor allem in Städten müsse auf umweltgerechte Verkehrsmittel umgestiegen werden, sagte die UBA-Chefin am Donnerstag in Berlin.

Nötig sei eine Kehrtwende wegen der zu hohen Werte von Stickstoffdioxid (NO2), die vor allem durch Diesel-Fahrzeuge verursacht werden. Die UBA-Präsidentin forderte die Abschaffung von Steuervergünstigungen für Dieselfahrzeuge und appellierte an die Kommunen, schmutzige Diesel aus den Städten zu verbannen. Bei 60 Prozent der bundesweiten 140 Messstellen würden regelmäßig Stickstoffdioxid-Werte festgestellt, die über dem zulässigen NO2-Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lagen.

Die Umweltverbände sehen für den Diesel nur eine Zukunft, wenn er sauberer wird, hieß es am Donnerstag. Die Technologie dafür sei vorhanden, sie müsse von den Herstellern nur genutzt werden. Selbst bei der bislang strengsten Abgasnorm Euro 6 stoße ein Diesel genauso viel Stickstoffoxid aus wie vergleichbar 100 Benziner.