Halle l In den vergangenen Tagen waren in Halles Innenstadt viele Fahrräder mit markantem blauem Vorderrad zu erspähen. Sie gehörten zum Fahrrad-Abo-Anbieter Swapfiets – der damit die Werbetrommel rühren wollte. Seit gestern nun ist die erste Filiale des niederländischen Startups in Sachsen-Anhalt geöffnet. Fortan werden die robusten City-Bikes im Stadtbild von Halle wohl regelmäßig hin- und herflitzen.

Das Konzept der „Fahrrad-Flatrate“ ist denkbar einfach: Kunden zahlen einen monatlichen Festbetrag von knapp 20 Euro. Dafür erhalten Sie ein eigenes Fahrrad. Wenn das mal kaputt geht, rücken die Servicemitarbeiter des Herstellers an, reparieren das Zweirad oder tauschen es gegen ein neues aus. Nicht nur größere Mängel werden behoben, selbst für das Ölen der Kette können Kunden den sogenannten Swapper – einen Servicemitarbeiter – rufen.Das Abo ist monatlich kündbar.Bislang hat das Unternehmen mit seinem Geschäftskonzept nach eigenen Angaben schon 10 000 Kunden in Deutschland gewonnen. Gegründet wurde das Startup Swapfiets 2014 von zwei Studenten in der niederländischen Stadt Delft.

Über 20 Filialen gibt es in den Niederlanden, Belgien und Dänemark. Inklusive Halle jetzt schon elf in Deutschland, unter anderem in Braunschweig und Hannover.

Hinzu kommen einige sogenannte Pop-up-Stores – Läden, die nur für einen bestimmten Zeitraum geöffnet sind, um Aufmerksamkeit bei den Kunden zu erregen. Einen solchen temporären Laden unterhält Swapfiets derzeit unter anderem in Leipzig. Für Eröffnungen kämen grundsätzlich alle Städte infrage, die bereits eine vitale Fahrradkultur haben, sagt Swapfiets-Pressesprecher Lucas Vroemen. Ein weiterer Laden in Sachsen-Anhalt ist in den nächsten zwei Jahren zunächst nicht geplant. Magdeburg habe man aber schon im Blick, so Vroemen. Zunächst will man schauen, wie es in Halle läuft.

Mit seinem Flatrate-Konzept hat Swapfiets bislang nur einen größeren Wettbewerber. Das Startup VanMoof – ebenfalls aus den Niederlanden – stattet seine selbstgebauten Fahrräder und E-Bikes mit GPS-Sendern aus. Die kosten neu schon mal 2000 Euro und mehr. Seit rund einem Jahr können Kunden aber auch ein Abo abschließen. E-Bikes kann man nicht mieten. Fahrräder kosten monatlich zwischen 25 und 29 Euro. Serviceleistungen und Reparaturen aller Art und Diebstahlschutz sind inklusive. 60 Prozent der Kunden sind Abonnenten, heißt es von VanMoof. Einen Shop dieses Anbieters gibt es in Deutschland bislang lediglich in Berlin.

Droht Swapfiets Konkurrenz?

Und droht mit Swapfiets dem Leihradmarkt Konkurrenz? Das niederländische Startup glaubt das nicht. In Sachsen-Anhalt ist der Markt für Leihräder im Gegensatz etwa zu Berlin mit einem Dutzend Anbietern ohnehin überschaubar. Die Deutsche Bahn bietet über seinen Service „Call a bike“ Mieträder als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr an. In Halle und Magdeburg stehen Nutzern Räder zur Verfügung, die sie per Smartphone-App leihen können. Das Leipziger Unternehmen Nextbike, zeitweise mit 50 Fahrrädern in Magdeburg präsent, zog sich im Juli vergangenen Jahres aus Sachsen-Anhalt zurück.

In Halle verleiht mitunter auch der stationäre Einzelhandel Fahrräder. So zum Beispiel Fahrrad Focken in Halle. Inhaber Uta Focken sieht im niederländischen Anbieter keine Konkurrenz. „Leihräder werden bei uns meist von Touristen für zwei bis drei Tage gemietet.“ Einen Umsatzrückgang befürchtet Focken ebenso wenig. Die Saison sei bereits gut gestartet.

Beim Fachgeschäft „Fahrradies“ in Halle, das auch Räder verleiht, ist die Konkurrenz durch Swapfiets ebenfalls noch kein Thema. Fahrräder würden ohnehin meist nur für den Zeitraum von Reparaturen verliehen. Der Verkauf laufe im Moment sehr gut, sagt ein Mitarbeiter.

Kein Jammern über Absatzzahlen

Bei den Absatzzahlen hat die Branche ohnehin wenig zu jammern. Dank des freundlichen Sommers und des Runs auf E-Bikes wuchs der Umsatz nach Angaben des Verbands des Deutschen Zweiradhandels im vergangenen Jahr um zehn Prozent.

Dass Swapfiets mit seinem sehr speziellen Konzept in Halle erfolgreich sein wird, davon geht Sprecher Lucas Vroemen aus. In der Saalestadt wurden in der Woche vor der Eröffnung des Shops immerhin schon 30 Abos abgeschlossen.