Magdeburg l Die gute Nachricht vorneweg: Die Zahl der Arbeitslosen im Land sinkt weiter. „Zahlenmäßig gab es in Sachsen-Anhalt seit 1991 noch nie so wenige Arbeitslose wie jetzt", freut sich Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen im Land, ein Rekordergebnis verkünden zu können. Nur im November 2017 lag die Arbeitslosenquote schon einmal bei 7,7 Prozent.

Die aktuelle Statistik ergibt, dass 87 747 Frauen und Männer im Mai arbeitslos gemeldet waren – das sind 2700 weniger als noch im April. Die Zahl der Arbeitslosen sank damit insgesamt im Jahresvergleich um 6800 – heißt, die Quote fiel um einen halben Punkt von 8,2 auf 7,7 Prozent. Dazu kommen allerdings noch aktuell 127 600 Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit).

Am meisten Arbeitslose gab es vor gut 20 Jahren: Im Februar 1998 gab es dreimal so viele Männer und Frauen ohne Job (312.029 Erwerbslose/23,4 Prozent). Allerdings lebten damals auch rund 500.000 Menschen mehr in Sachsen-Anhalt.

„Der Arbeitsmarkt im Mai präsentiert sich trotz leicht nachlassender Dynamik weiterhin stabil." Ein Grund sei vor allem die gute Konjunktur, erläutert der Chef der Arbeitsagenturen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei nach wie vor hoch. Die Beschäftigung habe sich positiv entwickelt. „Rund 794 100 Menschen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 7400 mehr als im Vorjahr", so Senius.

Zwar bewerten auch die Arbeitnehmervertreter die Entwicklung grundsätzlich positiv, aber: „Man darf das Rekordtief nicht überbewerten", erklärte Martin Mandel, Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen-Anhalt, mit Blick auf viele, die im Niedriglohnbereich und in Teilzeit arbeiten: „Es stellt sich also die Frage, ob die Menschen tatsächlich qualitativ gute Arbeitsplätze erhalten haben, mit gutem Lohn, von dem sie gut leben können, und guten Arbeitsbedingungen."

Einen Aufwärtstrend gibt es auch im Stellenmarkt. Arbeitgeber meldeten im Mai den Arbeitsagenturen und Jobcentern im Land fast 5700 neue Stellen, insgesamt gebe es 19.900 offene Stellen. Fast 39 Prozent der Stellen waren sofort zu besetzen, 81 Prozent unbefristet.

Es gibt allerdings auch weniger gute Nachrichten: Die Frühjahrsbelebung klinge langsam aus, warnt Senius. „In den Sommermonaten wird die Arbeitsmarktentwicklung erfahrungsgemäß noch weiter an Schwung verlieren." Er prognostiziert „eine Stagnation und wieder leicht steigende Arbeitslosigkeit". Erfahrungsgemäß stellen Arbeitgeber in der Urlaubszeit weniger Menschen neu ein, zudem hat die Ausbildung für Schulabgänger noch nicht begonnen.

Positiv zu bewerten ist indes, dass auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Land im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken ist. Im Mai wurden 33.200 Männer und Frauen gezählt – das sind 3900 weniger als im Mai 2017. Dennoch ist die Zahl derer, die landesweit länger als ein Jahr ohne Job sind, noch immer verhältnismäßig hoch: Fast 38 Prozent der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt insgesamt sind langzeitarbeitslos.

Das sieht auch der DGB mit Sorge. Mandel: „Trotz der guten Entwicklung haben viele Menschen in Sachsen-Anhalt auf absehbare Zeit keine Chance, einen regulären Job zu finden. Hier sind in erster Linie die Unternehmen gefragt, aber auch die Politik muss jetzt handeln." Die Landesregierung habe mit dem Programm „Sozialer Arbeitsmarkt" einen ersten Schritt gemacht. Nun müsse auch der Bund seiner Verantwortung gerecht werden „und Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren".