Halle (dpa) l Angesichts der Diskussion um den Umgang mit abgelehnten Asylbewerbern in Deutschland fordern Experten eine klare Trennung zwischen Arbeitsmigration und Zuwanderung aus humanitären Gründen. "Wenn ein "Spurwechsel" im Rahmen eines Einwanderungsgesetzes an klare objektive Kriterien geknüpft ist, dann kann ein solches Verfahren bei der Deckung von zukünftigen Engpässen bei Fachkräften helfen", sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeitsagentur, Kay Senius, in Halle.

Der sogenannte Spurwechsel bedeutet im Grundsatz, dass es Asylbewerbern, die abgelehnt und nur geduldet, aber gut integriert sind und einen Arbeitsplatz haben, über das Einwanderungsrecht ermöglicht wird, in Deutschland zu bleiben.

Demografische Entwicklung

Sachsen-Anhalt brauche die Zuwanderung qualifizierter Menschen aus dem Ausland, betonte Senius. "Auch wenn alle Potenziale, die der Arbeitsmarkt bietet, noch besser erschlossen werden können, wird das künftige Bedarfe nicht decken können", sagte er vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung.

Prognosen zufolge wird zwischen 2015 und 2030 – und damit bereits in zwölf Jahren – die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Sachsen-Anhalt um 300.000 Menschen zurückgehen. Hingegen waren allein im Juli bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern rund 19.930 freie Stellen gemeldet. Das waren rund 2000 freie Stellen mehr als im Vorjahresmonat. Echte Fachkräfteengpässe identifiziert die Arbeitsagentur bei der Alten- und Krankenpflege, der Energie- und Elektrotechnik, Klempnerei, Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik sowie bei Softwareentwicklern und Programmierern.

Einwanderungsgesetz nötig

"Wer einen Berufsabschluss in einem Beruf hat, der hier gebraucht wird, unsere Sprache spricht und entweder bereits arbeitet oder eine feste Jobzusage hat, der sollte im Rahmen eines Einwanderungsgesetzes eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bekommen", sagte Senius. Bereits jetzt kämen viele Unternehmen nicht ohne ausländische Mitarbeiter aus. Mit Blick auf Asylverfahren sagte er, dazu gehöre es in einem Rechtsstaat aber auch, dass Menschen ausreisen müssen, die die Voraussetzungen nicht erfüllen.

"Sachsen-Anhalt braucht perspektivisch Fachkräfte. Die Fallzahlen derjenigen, die für einen Spurwechsel in Frage kommen, dürften aber eher gering sein", sagte Senius. Deshalb sei es jetzt noch wichtiger, sich Gedanken um die konkrete Anwerbung qualifizierter Arbeitskräfte zu machen. "Die Erfahrungen und Regelungen anderer Einwanderungsstaaten wie Neuseeland, Australien oder den USA könnten in ein Einwanderungsgesetzes einfließen", sagte der Arbeitsmarktexperte.