Halle (dpa) l Bei Betrieben in Sachsen-Anhalt sind erneut viele Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben. Für 1086 Stellen konnten zwischen Oktober 2017 und September diesen Jahres keine Azubis gefunden werden. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Metallbau, Schweißtechnik, Klempnerei und Sanitär- und Heizungstechnik – besonders das seien Berufe, in denen man seit längerer Zeit mit dem Bewerberschwund kämpfe, sagte ein Sprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Auch für Berufe in der Gastronomie seien Bewerberzahlen rückläufig.

Immer weniger Frauen

Insgesamt hat die Arbeitsagentur im vergangenen Jahr 11.532 Ausbildungssuchende registriert, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Vor zwei Jahren waren es noch 10 Prozent mehr gewesen. Auffällig ist besonders der Rückgang von Frauen um 10,5 Prozent.

Der allgemeine Rückgang zeigt sich in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen. Am deutlichsten schrumpften die Bewerberzahlen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit minus 14 Prozent. Auch in Halle waren es im Vergleich zum Vorjahr zehn Prozent weniger Anwärter.

Als Grund für den Rückgang nannte der Sprecher, dass viele Jugendliche lieber einen höheren Schulabschluss machten oder an die Uni gingen. Ein weiterer Grund sei eine verbesserte Berufsorientierung. Durch Praktika und Schnuppertage gelangten die Bewerber direkt in Unternehmen und tauchten so nicht in der Statistik der Bundesagentur auf.

Rückgang nicht überall

Nicht alle Branchen klagen gleichermaßen über den Bewerberrückgang. Für Ausbildungsberufe in der Verwaltung etwa gab es 665 Bewerber für nur 291 Stellen. Ähnlich war es bei Ausbildungen in der Arzt- und Praxishilfe, im Verlagswesen oder der Softwareentwicklung.

Gestiegen ist auch der Anteil ausländischer Bewerber. 646 Menschen ohne deutschen Pass hätten sich bei der Arbeitsagentur registriert, das waren 28,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter den Gesamtbewerbern machten sie 5,6 Prozent aus. Laut Regionaldirektion sind darunter größtenteils Menschen aus dem EU-Ausland.

Wenig Bewegung spricht aus den Zahlen in Bezug auf die Geschlechterverteilung. Junge Männer bewarben sich im KFZ-Bereich und in der Logistik. Unter jungen Frauen waren Ausbildungen im Verkauf, Büro, im Einzelhandel oder Friseurin besonders beliebt.

Ausbildungsangebot ist konstant

Den 11.532 Bewerbern standen 12.705 Ausbildungsstellen gegenüber. Das Angebot der Ausbilder ist damit relativ konstant geblieben. Anders als 2017: Als Reaktion auf die niedrigen Bewerberzahlen hatten auch die Betriebe knapp 1000 Ausbildungsstellen weniger angeboten.

In Sachsen-Anhalt gibt es seit Jahren mehr Ausbildungsplätze als Anwärter. Die Bewerberzahlen waren zuletzt so stark gesunken, wie in keinem anderen ostdeutschen Bundesland.