Magdeburg/Potsdam l Die Zahlen stimmen schon mal: Nach der geplanten Zusammenlegung soll der neue Bauindustrieverband Ost e. V. der zweitumsatzstärkste Interessenverband in Deutschland werden. „Zusammen vertreten wir dann 260 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 18 Milliarden Euro“, sagt der schon jetzt für beide Verbände agierende Hauptgeschäftsführer Robert Momberg. Nur der bayerische Verband wäre noch umsatzstärker.

Die Gründe für die bei der Mitgliederversammlung am 23. August in Potsdam geplante Fusion liegen allerdings woanders: „Wir wollen unsere politische Schlagkraft erhöhen“, sagt Volkswirt Momberg. Als Vertretung von Unternehmen in vier ostdeutschen Bundesländern sei es Anspruch, für die Interessen der Bauwirtschaft in ganz Ostdeutschland zu sprechen.

Strukturwandel der Bauwirtschaft

Herausforderungen gibt es zuhauf: Die Bauwirtschaft im Osten steckt im Strukturwandel. Wegen des Baubooms nach der Wende beträgt der Anteil der Bauproduktion an der Bruttowertschöpfung hierzulande sechs Prozent, in den alten Ländern sind es gerade noch drei. Momberg rechnet mit einer Angleichung nach unten in den nächsten Jahren.

Aufgabe des Verbandes sei es, das Wegbrechen von Unternehmen zu verhindern. Ein Mittel: Der Verband will als Trend-Beobachter für Unternehmen wirken, etwa beim „Megathema“ Digitalisierung. Künftig könnte etwa die Erfassung von Gebäuden nur noch mit Drohnen erfolgen, inklusive Modellierung am Computer, sagt Momberg (siehe auch Infokasten). Die Anna-Ebert-Brücke in Magdeburg etwa sei jüngst auf diese Weise erfasst worden.

Das Ende der Fahnenstange ist damit bei Weitem nicht erreicht: In China entstehen inzwischen ganze Gebäudeteile aus dem 3-D-Drucker, sagt Momberg. Der Branche stünden in den kommenden Jahren große Umbrüche bevor. Allein seien Unternehmen damit oft überfordert, der Verband hingegen könne Leitideen und Konzepte entwickeln.

Verbandsziel: Ein neuer Solidarpakt

Auch die Politik will der neue Verband aber in die Pflicht nehmen. Ein Ziel: Die Neuausrichtung des Solidarpakts. Auch nach 2020 sollen die neuen Länder zusätzliche Mittel aus dem Länderfinanzausgleich erhalten, um ihre Infrastruktur weiter aufzubauen, so der Hauptgeschäftsführer. Denn: Laut ifo-Institut Dresden werde es mindestens noch bis 2030 dauern, bis der Osten wirtschaftlich zum Westen aufgeschlossen hat. „Eine Fortsetzung von Zahlungen ist daher nötig.“ Es brauche auch künftig Investitionen in öffentliche Gebäude, Hochschulen oder gesunde Straßen.

Nicht zuletzt will sich der Verband wirtschaftlicher aufstellen. Alle 20 Stellen sollen aber erhalten bleiben. Neuer Hauptsitz ist Potsdam. Daneben wird es Geschäftsstellen weiter auch in Magdeburg, Berlin, Dresden und Leipzig geben.