München (dpa) l "Die Bugwelle baut sich gerade auf", sagte Lucas Flöther am Mittwochabend in einer Videokonferenz des Münchner Clubs Wirtschaftspresse. Den Fluggesellschaften zum Beispiel seien jetzt die Einnahmen weggebrochen, aber sie dürften es auch nach der Corona-Krise weiterhin sehr schwer haben: "Ich glaube nicht, dass man noch für 23 Euro nach Mallorca fliegt. Keiner fliegt mehr für ein zweistündiges Meeting von Berlin nach München", sagte der Sprecher des "Gravenbrucher Kreises" der führenden Insolvenzverwalter. Er ist auch Sachwalter des angeschlagenen Ferienfliegers Condor.

Autozulieferer und Kinos betroffen

Viele Insolvenzen erwartet er auch bei Autozulieferern, Einzelhändlern, im Gastgewerbe oder auch bei Kinos. Gefährdete Unternehmen sollten möglichst früh ein Schutzschirmverfahren beantragen, sagte Flöther – also ein Insolvenzverfahren, bei dem der Vorstand unter Kontrolle eines Sachwalters weiterarbeitet. Die Löhne würden drei Monate lang von der Agentur für Arbeit bezahlt. Die Unternehmen könnten sich dann mit einem Schuldenschnitt, Stellenabbau und der Kündigung langfristiger Verträge sanieren.

Böses Erwachen

Die Bundesregierung hat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei drohender Zahlungsunfähigkeit bis Ende September ausgesetzt. Für viele Firmen sei das "aber nur eine Beruhigungspille", sagte Flöther. "Die Gefahr des Hinauszögerns besteht auf jeden Fall." Danach komme dann das böse Erwachen.