Bitterfeld-Wolfen/Magdeburg (dpa) l Sachsen-Anhalt wird Europa-Sitz eines internationalen Batterieherstellers. Bis Ende 2022 soll in Bitterfeld-Wolfen ein neues Werk entstehen, in dem Batterien für Elektroautos gebaut werden. Dafür will der Hersteller Farasis rund 600 Millionen Euro investieren, wie das Unternehmen und Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) am Mittwoch gemeinsam in Magdeburg verkündeten. Rund 30 Millionen Euro kommen demnach als Förderung vom Land. Mindestens 600 Arbeitsplätze sollen entstehen.

"Das ist die größte Unternehmensinvestition in den letzten mehr als 15 Jahren", sagte Willingmann. Die Ansiedlung passe zum Land: Rund 270 Autozulieferer säßen in Sachsen-Anhalt und beschäftigten 23.000 Menschen. "Es ist gut, dass das weitergeht und die Branche in die Zukunft schaut und das ist fraglos die Elektromobilität." Es gebe weitere Verhandlungen zu Großansiedlungen im Land, auch in diese Richtung. "Elektromobilität kommt an hier."

E-Mobile mit Akkus aus Sachsen-Anhalt

Zum Start will Farasis in Bitterfeld-Wolfen Batterien mit einer Produktionskapazität von 6 bis 10 Gigawattstunden bauen, wie der Chef für das Europa-Geschäft, Sebastian Wolf, sagte. Damit ließen sich etwa 60.000 bis 80.000 E-Autos ausstatten.

Für wie viele Kilometer eine Ladung halte, hänge vom Autobauer ab, so Wolf. Dessen Entscheidung sei es, wie viele Module er zu einem Akku zusammensetze. Gängig seien 60 bis 100 Kilowattstunden. Das reiche für bis zu 500 Kilometer. Gefertigt werde hochautomatisiert, gut ausgebildete Fachkräfte seien nötig. Farasis stehe mit allen europäischen Autobauern in Kontakt und habe schon einige von ihnen als Kunden gewonnen, so Wolf. Wen genau, ließ er offen.

Das Unternehmen wurde 2002 im US-amerikanischen Kalifornien gegründet und hat dort seine Forschungszentrale. Der Konzernsitz ist inzwischen im chinesischen Ganzhou. Farasis beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 3500 Mitarbeiter. Bitterfeld-Wolfen ist das erste europäische Werk, bisher wird in China gefertigt. Den Autobauern sei wichtig, in den jeweiligen Absatzmärkten zu produzieren, so Wolf. Neben Logistik habe das was mit Nachhaltigkeit zu tun.

Bitterfeld-Wolfen unter 80 Orten ausgesucht

Die Europa-Zentrale sitzt derzeit bei Stuttgart, soll aber nach Bitterfeld-Wolfen ziehen. Doch warum Sachsen-Anhalt? Seit Sommer 2018 suchte Farasis nach einem passenden Standort in Europa. 80 Orte waren anfangs im Topf, dann nur noch drei.

Unter den Finalisten war laut Ministerium neben Bitterfeld-Wolfen auch Halberstadt im Harz. Der dritte Kandidat kam nicht aus Deutschland. Am Ende habe eine Mischung den Ausschlag gegeben, sagte Farasis: Dass eine große Fläche schnell verfügbar gewesen sei, die günstige Verkehrsanbindung, ausreichend Fachkräfte in der Region.

Bis 30 Hektar soll das Fabrikgelände umfassen – und auf dem Gelände des früheren "Solar Valley" liegen. "Für uns ist das jetzt das "Energy Valley"", sagte Wolf. Dort saßen Anfang der 2000er Jahre führende Solarzellen-Hersteller. Dann kam die Billigkonkurrenz aus China und eine Pleitewelle leerte das Gelände. Ein schlechtes Omen? "Also wenn man bei jedem Ansiedlungsprojekt vor allem darauf schaut, welche Ansiedlungen in der Vergangenheit gescheitert sind, dann würde man zu depressiv", sagte Willingmann.